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Getreidefütterung

Gerste, unreifDie Füt­te­rung von Getreide ist in der Roh­füt­te­rung kein Muss, aber eine Mög­lich­keit. Wer möchte, kann seinem Hund hin und wieder Getreide in Form von Reis, Hafer­flo­cken, Kar­tof­feln oder ähn­li­chem anbie­ten. Zum Thema, ob Getreide verdaut werden kann bezie­hungs­weise ob der Hund imstande ist, die ent­hal­tene Stärke zu spalten, finden Sie im Artikel zu Ver­dau­ungs­en­zy­men eine aus­führ­li­che Erklä­rung, wie dies von statten geht und unter welchen Bedin­gun­gen es möglich ist. An dieser Stelle sei ledig­lich kurz zusam­men­ge­fasst, dass es dem Hund gene­rell möglich ist, Koh­len­hy­drate bezie­hungs­weise Stärke zu ver­dauen, dass aller­dings größere Stär­ke­mo­le­küle, wie sie zum Bei­spiel in Kar­tof­feln oder Mais vor­kom­men, ein Problem dar­stel­len. Richtig vor­ver­ar­bei­tet, zer­klei­nert und auf­ge­schlos­sen können aller­dings auch diese vom Hund ver­wer­tet werden. Getrei­de­sor­ten wie Hafer und Reis sind von Natur aus besser ver­wert­bar für den Hund. Ihre Stär­ke­mo­le­küle können enzy­ma­tisch verdaut und vom Hund auf­ge­nom­men werden.

 

In der Roh­füt­te­rung wird Getreide den Bei­la­gen zuge­ord­net. Ent­we­der wird die Flei­sch­ra­tion etwas nach unten kor­ri­giert und das Getreide zu glei­chen Teilen mit grünem und buntem Gemüse sowie Obst ver­füt­tert, oder die Ration der Bei­la­gen bleibt gleich bemes­sen, dafür nimmt Getreide einen ebenso großen Anteil an Obst und Gemüse ein, sodass diese Kom­po­nen­ten dann ver­hält­nis­mä­ßig weniger ver­tre­ten sind. Eine größere Menge an Getreide sollte aus oben genann­ten Gründen ver­mie­den werden, eine Aus­nahme bildet die Schon­kost, für welche Getreide wie Reis und Hafer den Grund­stock bilden. Bei Erkran­kun­gen des Ver­dau­ungs­trak­tes oder ent­zünd­li­chen Krank­heits­ver­läu­fen (zum Bei­spiel der Gelenke) wird von der Getrei­de­füt­te­rung ten­den­zi­ell abge­ra­ten. Näheres hierzu ist mit dem Tier­arzt zu bespre­chen.

 

Wie muss Getreide zubereitet werden?

Zunächst sollte bedacht werden, dass die Zähne des Hundes vor­wie­gend dem Reißen, nicht dem Zer­kauen oder Mahlen dienen. Aus diesem Grund muss Getreide wie auch Obst oder Gemüse vor­ver­ar­bei­tet werden. Nicht alle Getrei­de­sor­ten können roh ver­füt­tert werden, zum Bei­spiel Reis und Kar­tof­feln. Hier gilt im Grunde das­selbe wie bei allen anderen Lebens­mit­teln: Der Hund kann es nur so zu sich nehmen, wie der Mensch es könnte, sprich Kar­tof­feln können nur gekocht ver­füt­tert werden, Mais zum Bei­spiel kann roh in den Napf gegeben werden. Sel­bi­ges gilt für den Verzehr von Pflanze oder Körner: Nur jene Teile, die auch dem Men­schen bekömm­lich sind, dürfen dem Hund ange­bo­ten werden. Im Falle von Getreide sind dies immer die Samen/Körner.

 

Das Getreide sollte – wenn es als Körner oder im Ganzen erwor­ben wird – zunächst zer­klei­nert werden, da dem Hund wie gesagt Zähne zum Zer­mah­len fehlen. Getrei­de­flo­cken wie Hafer­flo­cken sollten vor dem Ver­füt­tern in Milch oder Wasser gut quellen, damit sie für den Hund bekömm­lich sind. Andern­falls saugen sie sich erst im Magen voll, quellen dort auf und können zu Blä­hun­gen und einer ver­zö­ger­ten Ver­dau­ung führen. An manchen Stellen wird dazu geraten, das Getreide getrennt von der Flei­sch­ra­tion beim Barf zu ver­füt­tern.

Getreide enthält zudem Gluten, soge­nann­tes Kle­ber­ei­weiß, welches bei Kontakt mit Wasser eine gum­mi­ar­tige Masse bildet. Glu­ten­freie oder glu­tenarme Getrei­de­sor­ten sind den glu­ten­hal­ti­gen vor­zu­zie­hen, da sie besser ver­dau­lich sind. Außer­dem steht Gluten als starker All­er­gie­aus­lö­ser in Ver­dacht. Zu den glu­ten­freien Sorten zählen Ama­ranth, Buch­wei­zen, Hirse, Mais, Quinoa sowie Reis.

 

Welche Getreidesorten (und Pseudogetreidesorten) darf ein Hund fressen?

  • Ama­ranth: ein Pseu­do­ge­treide, glu­ten­frei, reich an pflanz­li­chem Eiweiß und Fett­säu­ren, lässt sich geflockt, gemah­len oder als ganze Körner mit Wasser zu einem nähr­rei­chen Brei ver­kocht werden
  • Buch­wei­zen: ein Pseu­do­ge­treide, glu­ten­frei, reich an pflanz­li­chem Eiweiß, als Flocken, Schroth oder Mehl erhält­lich
  • Dinkel/Spelz: reich an pflanz­li­chem Eiweiß, Eisen, Magne­sium, Phos­phor, Vitamin E und Vitamin B, aber auch reich an Gluten
  • Einkorn: hoher Gehalt an pflanz­li­chem Eiweiß sowie Beta-Caro­ti­nen (können vom Hund zu Vitamin A syn­the­ti­siert werden)
  • Emmer: seltene und unbe­kannte Getrei­de­sorte, enthält reich­lich Gluten, aber auch pflanz­li­ches Eiweiß
  • Fer­ment­ge­treide: mit Enzymen behan­delte, ver­schie­dene Getrei­de­sor­ten, die Milch­säu­re­bak­te­rien ent­hal­ten und zusam­men ein Getränk (Brot­trunk) – das Fer­ment­ge­treide – bilden; wirkt positiv auf Magen und Darm sowie Fell und Haut, stärkt das Immun­sys­tem, wirkt gegen Hefepilze und Para­si­ten im Darm, kann daher gut als Kur ver­füt­tert werden 
  • Gerste: hoher Glu­ten­ge­halt, hoher Stär­ke­gehalt, daher nur schwer ver­dau­lich für den Hund
  • Grün­kern: halb­reif geern­te­ter Dinkel
  • Hafer/Haferflocken/Haferkleie/Prachthafer: hoher pflanz­li­cher Eiweiß­ge­halt, eignet sich gut als Grund­stock für Schon­kost  
  • Hirse: bezeich­net etwa 500 ver­schie­dene Grä­ser­ar­ten, ver­wen­det wird meist nur Spei­se­hirse, glu­ten­frei, hoher Gehalt an Eisen und Kie­sel­säure
  • Kamut: hoher Glu­ten­ge­halt, eine Wei­zen­sorte, die reicher an Eiweiß, Fett­säu­ren, Vit­ami­nen und Mine­ral­stof­fen ist als andere Wei­zen­ar­ten
  • Mais/Maisflocken: glu­ten­frei, ver­hält­nis­mä­ßig gerin­ger Eiweiß­ge­halt, zählt zu den schlech­ter ver­dau­li­chen Getrei­de­sor­ten und sollte daher als Mehl oder Flocken ver­wen­det und als Brei gekocht werden
  • Nudeln: ein ver­ar­bei­te­tes Getrei­de­pro­dukt, für das je nach Zusam­men­set­zung die Eigen­schaf­ten der jewei­li­gen ver­wen­de­ten Getrei­de­sor­ten gelten; können gekocht gut an den Hund ver­füt­tert werden
  • Polenta: ein aus Mais­grieß gekoch­ter, fester Brei; wie purer Mais glu­ten­frei, kann hin und wieder an den Hund ver­füt­tert werden
  • Quinoa: ein Pseu­do­ge­treide, glu­ten­frei, kann gekocht oder ledig­lich gequol­len mit Wasser oder Milch als nähr­stoff­rei­cher Brei ver­füt­tert werden
  • Reis (braun und weiß sowie Milch­reis): glu­ten­frei, leicht ver­dau­lich, eignet sich als gut als Grund­stock für Schon­kost, kann nur gekocht ver­füt­tert werden, enthält als Natur- oder Braun­reis mehr Nähr­stoffe als als weißer Reis
  • Roggen: reich an Gluten und Stärke, arm an Roh­fa­ser
  • Weizen/Buchweizen/Weizenkeimlinge/Weizenkleie: enthält von allen Getrei­de­sor­ten das meiste Gluten

Eine Über­sicht der Lebens­mit­tel, die Hunde für Hunde giftig oder nur bedingt bekümm­lich sind, finden Sie unter »Welche Lebens­mit­tel sind poten­ti­ell giftig für Hunde?«, eine aus­führ­li­che Liste aller für Hunde ungif­ti­gen Lebens­mit­tel unter »Welche Lebens­mit­tel darf mein Hund fressen?«.

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