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Knochenfütterung

Fuetterung mit KalbsknochenKnochen machen beim Barfen einen Anteil von zehn Prozent der Tages­ge­samt­ra­tion aus. Sie decken nor­ma­ler­weise den Bedarf an Kalzium und Phos­phor des Hundes. Außer­dem sind flei­schige Knochen eine wun­der­bare Mög­lich­keit, den Hund zu beschäf­ti­gen. Zudem rei­ni­gen sie die Zähne wie kein anderer Kau­ar­ti­kel. Es sollten ledig­lich ein paar Dinge in der Füt­te­rung beach­tet werden, damit es nicht zu Ver­let­zun­gen oder Ver­stop­fung durch die Knochen kommt.

 

 

Wieso sind Knochen beim Barfen so wichtig?

Neben der Beschäf­ti­gung und dem Zäh­ne­put­zen liegt der größter Vorteil von Knochen für die Hun­de­füt­te­rung in der Ver­sor­gung mit Kalzium und Phos­phor. Diese beiden Nähr­stoffe haben ein wech­sel­sei­ti­ges Ver­hält­nis: Wird von einem zu viel oder zu wenig auf­ge­nom­men, wird gleich­zei­tig die Auf­nahme des anderen aus der Nahrung gehemmt – egal, wie viel davon zuge­führt wird. Das heißt, es ist wichtig, das rich­tige Ver­hält­nis zwi­schen beiden zu wahren. 

Der Bedarf an Kalzium eines adulten Hundes liegt bei etwa 80mg pro Kilo­gramm Kör­per­masse pro Tag, dem gegen­über stehen 60mg Phos­phor pro Kilo­gramm Kör­per­masse pro Tag. Das ergibt in etwa ein Ver­hält­nis von 1,3 zu 1. Von allen zur Auswahl ste­hen­den Lebens­mit­teln sind Knochen das einzige, das nicht nur einen nen­nens­wer­ten Gehalt an Kalzium und/oder Phos­phor auf­weist, sondern auch das rich­tige Ver­hält­nis vom einen zum anderen bereits von Haus aus mit­bringt.

 

 

Die Knochen im Detail: Kalzium- und Phosphorgehalt 

Kalbsknochen Nun wollen wir uns die Knochen im Detail anschauen. Das ver­deut­licht zum einen das bereits erwähnte, pas­sende Kalzium-Phos­phor-Ver­hält­nis, zum anderen können Barfer anhand dieser Werte in etwa aus­rech­nen, wie viele Knochen von welchem Tier zur Deckung des Bedarfs bei ihrem Hund erfor­der­lich sind.

Rinder-, Lamm-, Ziegen- und Pfer­de­kno­chen ent­hal­ten etwa 14.000mg Kalzium und 6.200mg Phos­phor auf 100g. All­ge­mein ist leider recht wenig über den Nähr­stoff­ge­halt von Knochen bekannt, da diese in der humanen Ernäh­rung keine Rolle spielen. Bei den ange­ge­be­nen Zahlen handelt es sich also um reine Richt­werte. Dies ist aber kein Grund zur Sorge, was die Ver­sor­gung von gebarf­ten Hunden angeht. Geht man von diesen Zahlen aus, würden zehn Prozent Knochen in der Tages­ge­samt­ra­tion einen Hund groß­zü­gig über­ver­sor­gen. Dabei ist jedoch das Fleisch an den Knochen – und bei der Roh­füt­te­rung geht es immer um flei­schige Knochen – nicht mit­ein­be­rech­net. Zieht man diesen mit 50 bis 70 Prozent, je nach Knochen, ab, bleiben mode­rate Werte zur Bedarfs­de­ckung übrig.

 

Was muss ich bei der Fütterung von Knochen beachten?

Grund­sätz­lich gilt bei Knochen das­selbe wie beim Fleisch: Was aus dem mensch­li­chen Verzehr kommt ist auch für den Hund geeig­net, mit Aus­nahme von Schwein auf­grund des Aujeszky-Virus. Jedes Tier, dessen Fleisch für Hunde bekömm­lich ist, liefert also auch ver­füt­ter­bare Knochen.

Bei der Wahl des rich­ti­gen Kno­chens gilt es zu beach­ten, dass bei der Roh­füt­te­rung immer die Rede von flei­schi­gen Knochen ist – also von Knochen, die eine gesunde Menge Fleisch anhaf­ten haben. Dies ist inso­fern von Bedeu­tung, dass Hunde sich nach dem Verzehr von Knochen häufig über­ge­ben, wenn sie diese auf leeren Magen zu sich nehmen. Weniger fleisch­hal­tige Knochen wie Sand­kno­chen können trotz­dem ver­füt­tert werden, wenn darauf geach­tet wird, dass der Hund diese nicht auf nüch­ter­nen Magen zu sich nimmt.

Beson­ders wenn größere Knochen am Stück ver­füt­tert werden oder auch in der Anfangs­phase der Umstel­lung auf Barf sollte in die Mahl­zei­ten um die Kno­chen­füt­te­rung herum ein wenig Öl gegeben werden, um Kno­chen­kot vor­zu­beu­gen. Bei völlig kno­chen­un­er­fah­re­nen Hunden bietet sich ein Ein­stieg mit Knor­peln, Schlund oder weichen Kalbs­kno­chen an, um sie langsam an das Kauen her­an­zu­füh­ren. Um den Darm an die Kno­chen­füt­te­rung zu gewöh­nen eignet sich beson­ders gewolfte Kar­kasse. Beides sollte zunächst in klei­ne­ren Mengen und lieber auf mehrere Mahl­zei­ten an ver­schie­de­nen Tagen ver­teilt gefüt­tert werden, um Kno­chen­kot oder Erbre­chen vor­zu­beu­gen. Auch für die Ver­sor­gung mit Kalzium ist es emp­feh­lens­wert, häu­fi­ger in der Woche Knochen und/oder Kar­kasse zu ver­füt­tern als eine größere Menge auf einmal. Denn der Über­schuss wird ab einer gewis­sen Menge nicht mehr im Körper gespei­chert, sondern über den Kot aus­ge­schie­den, sodass der Nähr­stoff­be­darf nur in der theo­re­ti­schen Rati­ons­brech­nung gedeckt wäre, nicht aber in der Praxis.

In diesem Zusam­men­hang auch nicht zu ver­ges­sen ist die Not­wen­dig­keit von Vitamin D. Es steuert die Auf­nahme von Kalzium und Phos­phor und muss daher in aus­rei­chen­der Menge vor­han­den sein, wenn Knochen gefüt­tert werden.

 

Welche Knochen sind tabu?

Einige Aus­nah­men, die nicht gefüt­tert werden dürfen, gibt es aller­dings: Gekochte Knochen – egal von welchem Tier – werden durch die Hitze insta­bil und neigen eher zum Split­tern, wes­we­gen sie tabu sind. Das­selbe gilt für Knochen, die mehrere Monate (je nach Alter des fleisch­lie­fern­den Tieres etwa sechs Monate, manch­mal auch weniger) ein­ge­fro­ren waren.

Mark­kno­chen, das heißt Knochen, die eine Art Ring dar­stel­len, sollten nicht ver­füt­tert werden, da sich der Unter­kie­fer des Hundes hin­ein­schie­ben und ver­ha­ken kann.

Grund­sätz­lich sollten Knochen immer nur unter Auf­sicht ver­füt­tert werden, da der Hund sich immer mal an einem grö­ße­ren Stück ver­schlu­cken oder ein Stück zwi­schen den Zähnen ver­ha­ken kann. Um das Risiko zu mini­mie­ren, sollten die Knochen ent­spre­chend der Größe des Hundes aus­ge­wählt werden. Ebenso wie ein Chi­hua­hua wohl nicht viel mit einer ganzen Rin­der­schul­ter anfan­gen kann, wird ein Rott­wei­ler über eine kleine Bein­scheibe nur müde lächeln.

 

Darf ich meinem Hund Geflügelknochen füttern?

Grund­sätz­lich können Geflü­geln­kno­chen an den Hund ver­füt­tert werden, sofern sie wie bereits erwähnt roh sind und nicht zu lange ein­ge­fro­ren waren (nicht mehr als wenige Wochen). Von ganzen Geflü­gel­kno­chen ist dann abzu­ra­ten, wenn sie im Ver­hält­nis zum Hund zu klein sind oder dieser zu hek­ti­schem Fressen neigt. Denn die Röh­ren­kno­chen sind leicht zu zer­bei­ßen und Schlin­ger laufen daher Gefahr, sich an großen Stücken zu ver­schlu­cken, was zu Ver­let­zun­gen im Gaumen führen kann. Ganz unum­strit­ten ist das Thema daher nicht. Denn einer­seits sind Geflü­gel­kno­chen auf­grund ihres gerin­ge­ren Kal­zi­um­ge­halts und der leich­te­ren Kau­bar­keit gute Ein­stei­ger­kno­chen für kno­chen­un­er­fah­rene Hun­de­därme, ande­rer­seits kommt es mit ihnen angeb­lich am häu­figs­ten zu Ver­let­zun­gen und Füt­te­rungs­feh­lern. Wer auf Nummer sicher gehen will, greift für die Geflü­gel­kno­chen­füt­te­rung auf bereits gewolfte Kar­kasse zurück oder weicht gänz­lich auf festere und siche­rere Knochen wie von Kalb, Rind oder Pferd aus.

 

Woher bekomme ich Knochen für meinen Hund?

Die tra­di­tio­nel­len ört­li­chen Metzger sind hierfür meist eine gute Anlauf­stelle, auch Schlacht­höfe geben hin und wieder Knochen ab – teils sogar kos­ten­los oder zu einem sehr gerin­gen Preis von ein oder zwei Euro das Stück. Bei diesen Bezugs­quel­len ist zudem sicher­ge­stellt, dass die Knochen den Richt­li­nien des mensch­li­chen Ver­zehrs ent­spre­chen. Barf­shops und Tier­lä­den mit Barf­sor­ti­ment sind eben­falls eine mög­li­che Anlauf­stelle. Manch einer hat viel­leicht sogar das Glück, dass ein Bau­ern­hof in der Nähe selbst schlach­tet oder der ört­li­che Jagd­päch­ter hin und wieder Reste abzu­ge­ben hat. Beim Bauern um die Ecke bekom­men Barfer auch am ehesten ein ganzes Huhn, beim Jäger einen ganzen Hasen, sollten sie die Füt­te­rung ganzer Tiere in Betracht ziehen.

 

Andere Möglichkeiten, den Kalziumbedarf zu decken

Sollte der Hund keine Knochen ver­tra­gen oder aus irgend­ei­nem Grund nicht fressen können/dürfen, muss der Bedarf an Kalzium ander­wei­tig gedeckt werden. Hierfür bieten sich vor allem Eier­scha­len sowie Kalziumzitrat/Kalziumkarbonat an. In beiden Fällen besteht aller­dings das Problem, dass diese nicht aus­rei­chend Phos­phor ent­hal­ten, um die Ver­wer­tung des Kal­zi­ums zu gewähr­leis­ten. Näheres dazu finden Sie im Artikel »Kalzium und Phos­phor: Prak­ti­sche Füt­te­rung«.