Grünlippmuschelkalk

Die Grün­lipp­mu­schel – bezie­hungs­weise Grün­lipp­mu­schel­kalk – findet vor allem bei Gelenk­ser­kran­kun­gen wie Hüft– und Ell­bo­gen­ge­lenk­dys­pla­sie, aber auch Arthrose und Spon­dy­lose Anwen­dung und ist auch in den ent­spre­chen­den tier­me­di­zi­ni­schen Mitteln ent­hal­ten. Die Muschel enthält Glu­ko­sa­mi­no­gly­kane (GAGs), die sta­bi­li­sie­rend auf Gelenke und Gewebe wirken sollen. Zusätz­lich habe sie einen ent­zün­dungs­hem­men­den Effekt. Wis­sen­schaft­lich bewie­sen ist die Wirk­sam­keit bisher aller­dings nicht oder zumin­dest mancher Meinung nach nicht aus­rei­chend. Dennoch wird die Gabe bei oben genann­ten Beschwer­den – zusätz­lich zu anderen Behand­lun­gen wie Phy­sio­the­ra­pie – in den meisten Fällen und von einer Viel­zahl der Tier­ärzte emp­foh­len. Über Not­wen­dig­keit, Art und Dauer der Anwen­dung sowie die Dosie­rung ist mit dem Tier­arzt zu spre­chen.

 

Die Grün­lipp­mu­schel kam in den Genuss einer gewis­sen Berühmt­heit, seit immer mehr Fut­ter­mit­tel­her­stel­ler für selbst im nor­ma­len Futter auf sie zurück­grei­fen. Die Muschel wird in diesem Zusam­men­hang als vor­beu­gen­des Mittel gegen Gelenk­pro­bleme ange­prie­sen. Selbst die Ver­füt­te­rung kon­zen­trier­ter Pulver während der Wachs­tums­phase großer Rassen hat inzwi­schen Anhän­ger gefun­den. Eine prä­ven­tive Wirkung ist aller­dings nicht erwie­sen.

Um dies genauer zu erläu­tern einige Worte zur Wirk­sam­keit der Glu­ko­sa­mi­no­gly­kane: Diese »GAGs« sind Ketten aus Zwei­fach­zu­ckern, das heißt aus Koh­len­hy­dra­ten. Sie heften sich ver­ein­facht gesagt an die soge­nann­ten Pro­teo­gly­kane an und bilden deren Sei­ten­ket­ten. Es ent­steht eine Art Fla­schen­bürste, deren Borsten die GAGs bilden. Diese Fla­schen­bürs­ten als Ganzes, also die Pro­teo­gly­kane, bilden zusam­men mit Kol­la­gen (ein Protein des Bin­de­ge­we­bes) den Grund­stein für die Gelenkk­nor­pel und die Gelenk­flüs­sig­keit (Synovia). Ihre Funk­tion ist ver­ein­facht gesagt die eines Schwam­mes: Die GAGs sind negativ geladen und dadurch imstande, Wasser an sich zu binden. Sie werden von einer Art Sei­fen­blase aus Wasser umgeben, die unter­schied­lich groß sein kann und mit dem Alter immer gerin­ger wird (Abnut­zung der Gelenke im Alter). Wird der Gelenkk­nor­pel nun belas­tet und zusam­men­ge­drückt wird das Wasser aus ihm heraus gepresst. Sobald sich das Gelenk und damit der Knorpel wieder ent­span­nen und aus­deh­nen wird erneut Wasser ange­sam­melt. Der Knorpel geht sozu­sa­gen wieder aus­ein­an­der wie ein Schwamm, der nach dem Aus­drü­cken unter Wasser gehal­ten wird. Auf diese Weise kann er Belas­tung, Druck und starke Bean­spru­chung abfan­gen, ohne dass das Gelenk geschä­digt wird.

Die Füt­te­rung der Grün­lipp­mu­schel soll über ihren hohen Gehalt an Glu­ko­sa­mi­no­gly­ka­nen dazu bei­tra­gen, dass sich diese wieder in Gelenkk­nor­pel und -flüs­sig­keit anrei­chern. Einer­seits macht diese Wir­kungs­weise der Muschel – nämlich gegen Ver­schleiß­er­schei­nun­gen – die Gabe während des Wachs­tums unnötig. Ein gesun­der, normal ernähr­ter Hund bildet aus­rei­chend sta­bi­len Gelenkk­nor­pel aus, die zusätz­li­chen Mengen an Glu­ko­sa­mi­no­gly­ka­nen würden einfach aus­ge­schie­den. Ande­rer­seits lohnt sich eine Gabe ab einem gewis­sen Alter oder (Krankheits-)Zustand des Hundes, um even­tu­ell bald ent­ste­hen­den Gelenk­pro­ble­men im Sinne von Ver­schleiß­er­schei­nun­gen vor­zu­beu­gen oder ihrem Ent­ste­hen ent­ge­gen zu wirken – jedoch nur, wenn auch wirk­lich der Rück­gang an Glu­ko­sa­mi­no­gly­ka­nen begon­nen hat.

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