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Eiweiß / Protein

Theoretische Grundlagen – Eiweiß zugeschnittenEiweiße (synonym Pro­te­ine) dienen dem Aufbau und Erhalt von Gewebe, das heißt grob gesagt: Zu wenig Protein im Futter kann einen Hund schlaff und unmus­ku­lös wirken lassen, auch wenn er sich viel­leicht aus­rei­chend bewegt (was zusätz­lich immer eine Rolle für den Mus­kel­auf­bau spielt). Gewebe bildet aber nicht nur Mus­ku­la­tur, sondern auch Organ­struk­tu­ren – es ist überall im Körper zu finden und macht diesen erst zu dem, was er ist. Aus diesem Grund kommt dem Protein auch eine hohe Prio­ri­tät in der Hun­de­füt­te­rung zu. Der Gehalt im Futter ist als Roh­pro­tein, übli­cher Weise in Pro­zent­an­ga­ben, dekla­riert.

 

Bestimmung des Rohproteingehalts in Fertigfuttermitteln

Der Roh­pro­te­in­ge­halt eines Futters wird mittels des ent­hal­te­nen Stick­stof­fes bestimmt (Kjeld­ahl- oder Dumas Ver­fah­ren zur Bestim­mung des Stick­stof­fes, anschlie­ßende Mul­ti­pli­ka­tion mit 6,25, was auf die 16% Stick­stoff­ge­halt des Roh­pro­te­ins refe­riert (100/16 = 6,25). Dabei werden aber alle stick­stoff­hal­ti­gen Ver­bin­dun­gen erfasst, unter anderem auch Peptide oder freie Ami­no­säu­ren, welche nicht zum Eiweiß zählen. Zur Unter­schei­dung wird das Eiweiß als Rein­pro­tein bezeich­net. In der fol­gen­den Erklä­rung zur Funk­tion des Pro­te­ins soll nur diese mit Eiweiß gleich­zu­set­zende Form von Protein behan­delt werden.

Hinzu kommt, dass die Ver­dau­lich­keit der Pro­te­ine je nach Quelle (Fleisch, Knochen, Gemüse usw.) schwankt. Das heißt: Es kann nicht der volle Pro­te­in­ge­halt eines Lebens­mit­tels vom Hund auf­ge­nom­men werden. Dies betrifft auch Fer­tig­fut­ter, zusätz­lich zu der Unge­nau­ig­keit bedingt durch das oben erklärte Bestim­mungs­ver­fah­ren. Aus diesem Grund werden der tat­säch­li­che Roh­pro­te­in­ge­halt und der Gehalt an ver­dau­li­chem Roh­pro­tein im Abschnitt Bedarfs­de­ckung getrennt auf­ge­führt.

Funktionen von Eiweiß/Protein

Die oberste Angabe auf Fut­ter­mit­tel­ver­pa­ckun­gen ist bei den ana­ly­ti­schen Bestand­tei­len das Roh­pro­tein. Die Pro­te­ine sind beson­ders für Gewe­be­er­halt und -aufbau zustän­dig. Dies betrifft Haut, Krallen, Fell, Organe, Muskeln, Sehnen und Knochen. Nur sekun­där werden sie für die Ener­gie­ge­win­nung, wie oben bereits beschrie­ben, benö­tigt. Pro­te­ine können pflanz­li­chen oder tie­ri­schen Ursprungs sein, außer­dem werden leichter/hochwertig und schwe­rer ver­dau­li­che Pro­te­ine unter­schie­den. Die Ver­dau­lich­keit wird danach gemes­sen, wie lange ein Nah­rungs­be­stand­teil braucht, um vom Körper auf­ge­nom­men zu werden. Eine hohe Ver­dau­lich­keit weisen die Eiweiße tie­ri­schen Ursprungs in Mus­kel­fleisch, Fisch, Milch­pro­duk­ten und Eiern auf. Die Pro­te­ine in Knorpel und Knochen sind weniger gut ver­dau­lich. Hoch­wer­ti­ges Eiweiß pflanz­li­chen Ursprungs ist zum Bei­spiel in Soja zu finden. Mit­tel­mä­ßig ver­wer­tet werden können Pro­te­ine aus Organen, Bin­de­ge­webe und Neben­pro­duk­ten, schlecht ver­dau­lich sind Pro­te­ine aus Getrei­de­kle­ber, Gemüse und Legu­mi­no­sen (Hül­sen­frücht­ler). Der Pro­te­in­be­darf steigt zudem mit dem Fett­ge­halt des Futters, um für ein aus­ge­wo­ge­nes Stick­stoff­ver­hält­nis zu sorgen.

 

Pro­te­ine sind nichts anderes als Ketten von 20 ver­schie­de­nen Ami­no­säu­ren, von denen zehn für den Hund essen­zi­ell, zehn nicht essen­zi­ell sind. Essen­zi­ell bedeu­tet, dass der Hund diese Ami­no­säu­ren nicht selbst syn­the­ti­sie­ren kann und daher über die Nahrung auf­neh­men muss. Dies sind im Ein­zel­nen: Arginin, His­ti­din, Iso­leucin, Leucin, Lysin, Methio­nin, Phe­nyl­a­la­nin, Threo­nin, Tryp­tophan und Valin. Pro­te­ine ent­hal­ten zudem etwa 16% Stick­stoff, aus welchem unter anderem die zehn nicht essen­zi­el­len Ami­no­säu­ren her­ge­stellt werden.

Die Ver­dau­ung der Pro­te­ine beginnt mit der Vor­be­rei­tung im Magen, im Dünn­darm werden die Peptide mit­hilfe von Enzymen auf­ge­spal­ten, anschlie­ßend gelan­gen sie über die Darm­wand ins Blut und werden zur Leber trans­por­tiert. In der Leber werden aus Stick­stoff und den essen­zi­el­len Ami­no­säu­ren die zehn nicht essen­zi­el­len Ami­no­säu­ren her­ge­stellt. Bereits »fertige« Ami­no­säu­ren können anstatt in die Leber auch gleich über das Blut ins Gewebe trans­por­tiert werden.

Bei einem Pro­te­in­über­schuss kann dieses wie unter Ener­gie­stoff­wech­sel bereits erwähnt in Energie oder in Fett­pöls­ter­chen umge­wan­delt werden. Ein Über­schuss belas­tet zudem die Nieren, da der Stick­stoff in der Leber zunächst zu Ammo­niak und dann zu Harn­stoff umge­wan­delt und über die Nieren aus­ge­schie­den wird. Darum sollte im Falle einer Nie­ren­er­kran­kung auch der Pro­te­in­ge­halt des Futters gesenkt und auf hoch­wer­tige Pro­te­in­quel­len umge­stellt werden (bessere Ver­dau­lich­keit, daher gerin­ge­rer Bedarf). Ein Pro­te­in­über­schuss kann zudem zu Fut­ter­mit­te­lun­ver­träg­lich­kei­ten führen, welche sich meist in starkem Juck­reiz und Haut­ir­ri­ta­tio­nen äußern.

Bedarfsdeckung

Der Pro­te­in­be­darf im Erhal­tungs­stoff­wech­sel erwach­se­ner Hunde kann in etwa nach fol­gen­der Faust­re­gel berech­net werden: 5g ver­dau­li­ches Rohprotein/kg KM^0,75/Tag, dies ent­spricht 10g ver­dau­li­ches Roh­pro­tein pro 1MJ uE, dies ent­spricht 12g Rohprotein/1MJ uE. Die Höchst­menge pro Tag in g/kg KM sollte bei kleinen Hunden 7 Gramm nicht über­schrei­ten, bei mit­tel­gro­ßen 5 Gramm und bei großen 4 Gramm. Die emp­foh­le­nen Mengen vari­ie­ren somit in Abhän­gig­keit vom Gewicht (hoher Wert kleine Rassen ab fünf Kilo­gramm, kleiner Wert große Rassen mit etwa 60 Kilo­gramm) zwi­schen 3,3 und 1,8g/kg KM für Hunde im Erhal­tungs­stoff­wech­sel. Bei Lang­haar­hun­den steigt der Bedarf im Fell­wech­sel um etwa 20%. In der nach­ste­hen­den Tabelle finden Sie eine Zusam­men­fas­sung der wich­tigs­ten Werte:

Proteinbedarf adulter Hunde

Bei wach­sen­den Hunden ist der Bedarf in Abhän­gig­keit von ihrem zu erwar­ten­den End­ge­wicht und ihrem Alter ent­spre­chend höher:

Bedarf Proteine wachsender Hund

Bedarf pro Kg Kör­per­ge­wicht pro Tag in Gramm. KM = Kör­per­masse in Kilo­gramm.

Hinweis für die Anwendung auf Fertigfutter 

Wie oben bereits erwähnt, wird zwi­schen ver­dau­li­chem Roh­pro­tein und Roh­pro­tein, wie es die Bestim­mungs­me­thode des Fer­tig­fut­ters zutage bringt, unter­schie­den. Aus diesem Grund können die genann­ten Werte nicht einfach auf Fer­tig­fut­ter ange­wen­det werden. Dafür bedarf es einer Umrech­nung von Roh­pro­tein zu ver­dau­li­chem Roh­pro­tein, aber auch dem Ener­gie­ge­halt des Futters. Je nach Ener­gie­ge­halt ändert sich der Bedarf an ver­dau­li­chem Roh­pro­tein und damit auch an Roh­pro­tein, wie es auf der Ver­pa­ckung steht. Nach­ste­hende Tabelle schlüs­selt die Werte nach dem tat­säch­li­chen Bedarf an ver­dau­li­chem Roh­pro­tein und der ent­spre­chen­den Menge gesam­tem Roh­pro­tein im Ver­hält­nis zum Ener­gie­ge­halt des Futters auf. Die Roh­pro­tein­an­ga­ben für Fer­tig­fut­ter gehen vom Gesamt­ge­halt an Roh­pro­tein aus, nicht vom ver­dau­li­chen Roh­pro­tein, die ver­wen­de­ten Ein­hei­ten stehen jeweils in Klam­mern:

Bedarf verdauliches Rohprotein und Rohprotein im Fertigfutter

Die Bewer­tung eines Fer­tig­fut­ters ist nun eigent­lich gar nicht mehr schwer. Der erste und ein­fachste Schritt ist schon getan, indem man den Gehalt an Roh­pro­tein im Ver­hält­nis zur Energie mit der Tabelle abgleicht, wobei eine voll­kom­mene Über­ein­stim­mung nicht not­wen­dig ist. In den meisten Fut­ter­mit­teln ist eher ein Über­schuss an Roh­pro­tein zu finden, beson­ders, wenn das Futter eine große Menge schlecht ver­dau­li­cher Pro­te­ine enthält. Hohe Werte können also durch­aus täu­schen. Die Angaben auf der Ver­pa­ckung erfol­gen beim Roh­pro­tein in Prozent, aller­dings meist auf 100g gerech­net (Näheres ist beim Her­stel­ler zu erfra­gen), sodass ein Futter mit 30% Roh­pro­tein 30g Roh­pro­tein auf 100g enthält.

Nun muss nur noch der Ener­gie­ge­halt in die in der Tabelle ver­wen­de­ten Mega­joule umge­rech­net werden:

Der Ener­gie­ge­halt wird in der Einheit Joule (J) ange­ge­ben, wobei beson­ders auf Fut­ter­pa­ckun­gen meist mit Kilo­joule gerech­net wird (1 kJ = 1000 J), ab und an auch Mega­joule (1 MJ = 1000 kJ), selten auch noch mit Kalo­ri­en­wer­ten (1 J = 0,239 cal; 1 cal = 4,1868 J).

Näheres dazu im Artikel zur Energie.

Auch der Ver­gleich der oben genann­ten, nicht in Rela­tion zum Ener­gie­ge­halt des Futters gesetz­ten Werte kann sich lohnen, um einen unge­fäh­ren Über­blick über die Ver­sor­gung des Hundes zu bekom­men. Zunächst muss dazu der Tages­be­darf des Hundes errech­net werden, das heißt Roh­pro­te­in­be­darf in Gramm pro Kilo­gramm mul­ti­pli­ziert mit dem Gewicht des Hundes. Dies ergibt für einen 20kg schwe­ren, adulten Hund bei nor­ma­ler Belas­tung 2,4×20=48, also einen Tages­be­darf von 48g ver­dau­li­chem Roh­pro­tein. Ein Futter mit 30% Roh­pro­tein enthält wie oben bereits erwähnt 30g Roh­pro­tein. Mul­ti­pli­ziert man dies nun mit der Tages­ra­tion geteilt durch 100 ergibt dies zum Bei­spiel 200/100×30=60. Somit würde der Hund täglich 60g Roh­pro­tein auf­neh­men und damit mehr als nötig. Aller­dings müssen zuguns­ten der Ver­dau­lich­keit Abstri­che gemacht werden, außer­dem emp­fiehlt sich eher ein leich­ter Über­schuss, der aus­ge­schie­den wird, als eine Unter­ver­sor­gung, welche auf Dauer nicht aus­ge­gli­chen werden kann.

Zum Schluss sollte noch erwähnt werden, dass es sich zwar durch­aus lohnt, das haus­ei­gene Fer­tig­fut­ter ein wenig zu prüfen und zu ver­glei­chen, aller­dings nicht jede Angabe aufs Gramm genau befolgt werden muss. Die Werte können eine nütz­li­che Ori­en­tie­rungs­hilfe sein, sollen aber nicht zu Über­vor­sicht führen.

Quellen:

  • Meyer, Helmut; Zentek, Jürgen: Ernäh­rung des Hundes. Grund­la­gen – Füt­te­rung – Diä­te­tik, 6. Auflage, Enke Verlag Stutt­gart, 2010.
  • Rei­nerth, Susanne: Natural Dog Food: Roh­füt­te­rung für Hunde – Ein prak­ti­scher Leit­fa­den, 1. Auflage, 2005.

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