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Regelmechanismen für Über- und Unterversorgung mit Kalzium

Der Kal­zi­um­spie­gel im Blut wird im Wesent­li­chen durch drei ver­schie­dene Stoffe gesteu­ert: Vitamin D – genauer gesagt Vitamin-D-Meta­bo­li­ten (Zwi­schen­pro­duk­ten), das von der Neben­schild­drüse pro­du­zierte Para­thor­mon und Cal­ci­to­nin, ein in den C-Zellen (Cal­ci­to­nin-Zellen) der Schild­drüse gebil­de­tes Pep­tid­hor­mon (fet­tun­lös­li­ches Hormon). Der Körper richtet sich bei Akti­vie­rung dieser Regel­me­cha­nis­men nicht nach dem Kal­zi­um­ge­halt in den kör­per­ei­ge­nen Knochen oder dem auf­ge­nom­me­nen Futter, sondern nach dem Kal­zi­um­ge­halt im Blut. Die Auf­nahme von Phos­phor hin­ge­gen unter­liegt keinen Regel­me­cha­nis­men, wes­we­gen über­schüs­si­ges Phos­phor über die Nieren aus­ge­schie­den werden muss.

 

 

Überversorgung

Bei zu hohem Kal­zi­um­an­ge­bot und einem kurz­fris­ti­gen, gerin­gen Anstieg des Kal­zi­ums­spie­gels im Blut kommt es zu einer dem oben erwähn­ten Para­thor­mon­pro­duk­tion gegen­tei­li­gen Reak­tion: Die Schild­drüse schüt­tet ver­mehrt Cal­ci­to­nin aus, welches in erster Linie ver­hin­dert, dass Kalzium aus dem Skelett frei­ge­setzt wird. Zusätz­lich scheint der erhöhte Cal­ci­ton­in­spie­gel die Frei­set­zung einiger im Ver­dau­ungs­ka­nal gebil­de­ter Hormone (Gastrin, Glu­ka­gon, Chole­cys­to­ki­nin) zu begüns­ti­gen, wodurch eine direkt nach der Füt­te­rung von großen Kal­zi­um­men­gen mög­li­che Über­ver­sor­gung ver­hin­dert wird. Diese plötz­li­che Über­ver­sor­gung nennt sich auch Hyper­kalz­ämie. Wie auch die Hypo­kalz­ämie kann sie trotz der Regel­me­cha­nis­men auf­tre­ten, wenn die Ernäh­rung ent­spre­chend extrem ver­läuft. So kann eine Über­do­sie­rung an Vitamin D oder eine über­höhte Kal­zi­um­gabe im Ver­hält­nis zu Phos­phor den Kal­zi­um­ge­halt im Blut steigen lassen. Auch wenn die Über­ver­sor­gung vom par­al­le­len Angebot anderer Nähr­stoffe sowie Alter und Zustand des Hundes abhängt, sollte das Angebot an Kalzium und Phos­phor bei Jung­hun­den nicht mehr als das 1,5-Fache der emp­foh­le­nen Tages­menge betra­gen, bei adulten Tieren nicht mehr als das Dop­pelte – immer vor­aus­ge­setzt, dass das Ver­hält­nis beider Mine­ral­stoffe dabei noch aus­ge­gli­chen ist.

Ein iso­lier­ter Über­schuss an Kalzium kann beson­ders bei groß­wer­den­den Rassen zu mas­si­ven Stö­run­gen der Kno­chen­ent­wick­lung führen. Außer­dem behin­dert der Über­schuss zusätz­lich die Auf­nahme von Phos­phor, Magne­sium, Zink und Kupfer, sodass weitere Man­gel­er­schei­nun­gen auf­tre­ten. Ein iso­lier­ter Phos­phor­über­schuss kann wie oben beschrie­ben bereits auf­tre­ten, wenn über die Nahrung zu viel des Mine­rals zuge­führt wird, da die Auf­nahme keinen Regel­me­cha­nis­men unter­liegt. Bei älteren oder nie­ren­schwa­chen Tieren kann diese Mehr­be­las­tung der Nieren unter anderem Nie­ren­er­kran­kun­gen begüns­ti­gen. Zudem kann eine erhöhte Phos­phor­kon­zen­tra­tion im Harn die Bildung von Stru­vit­stei­nen fördern. Zusätz­lich behin­dert der Über­schuss die Auf­nahme von Kalzium, Magne­sium, Zink und Eisen, wodurch sich auch hier zusätz­lich Man­gel­er­schei­nun­gen ein­stel­len können.

 

 

Unterversorgung

Wird über die Nahrung zu wenig Kalzium zuge­führt, wodurch der Kal­zi­um­spie­gel im Blut kurz­zei­tig gering zurück geht, wird ver­mehrt Para­thor­mon gebil­det. Dies fördert zum einen über die Akti­vie­rung von Vitamin D die Auf­nahme von Kalzium aus der Nahrung, das heißt die Ver­dau­lich­keit des Kal­zi­ums steigt, es wird der Nahrung ver­mehrt ent­zo­gen. Zum anderen wird die sowieso schon geringe, renale Kal­zi­um­aus­schei­dung (Aus­schei­dung über die Nieren) weiter ver­rin­gert. Ein dennoch plötz­lich ein­tre­ten­der Mangel nennt sich Hypo­kalz­ämie. Säu­gende Hün­din­nen können davon betrof­fen sein, ver­mut­lich begüns­tigt durch die Milch­ab­gabe in Kom­bi­na­tion mit einer Unter­ver­sor­gung. Im Falle eines Magne­si­um­über­schus­ses oder einer Unter­ver­sor­gung kann die Kalzium-Phos­phor-Ver­wer­tung eben­falls beein­träch­tigt werden. Eine Störung im Säure-Basen-Haus­halt (Säu­ren­über­schuss) kann für erhöhte Kal­zi­um­aus­schei­dung über die Nieren sorgen und damit eben­falls einen Mangel begüns­ti­gen.

Je nach Schwere der Unter­ver­sor­gung kann diese kurz­fris­tig über die in den Knochen ent­hal­te­nen Reser­ven an Kalzium und Phos­phor aus­ge­gli­chen werden. Diese werden bei Bedarf ver­stärkt aus den Knochen ins Blut abge­ge­ben, um den Spiegel dort kon­stant zu halten. Bei lang­an­dau­ern­der und schwer­wie­gen­der Unter­ver­sor­gung kommt es daher wie erwähnt zu Ske­let­ter­kran­kun­gen und Blut­ge­rin­nungs­stö­run­gen. Ein iso­lier­ter Phos­phor­man­gel ist äußerst selten, würde aber zu gerin­gem Wachs­tum oder im Extrem­fall dem Kör­per­ver­fall führen.

 

Quellen:

  • Meyer, Helmut; Zentek, Jürgen: Ernäh­rung des Hundes. Grund­la­gen – Füt­te­rung – Diä­te­tik, 6. Auflage, 2010.

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