Nierenerkrankungen

Nierenschäden

Die Niere ist eine Art Filter für Gift­stoffe. Büßt sie einen Teil ihrer Funk­tion ein, kann der Körper nicht mehr aus­rei­chend ent­gif­tet werden, es kommt zu einem Anstieg der Krea­ti­nin- und Harn­stoff­werte im Blut. Leider steigen diese Werte erst an, wenn die Nieren bereits einen großen Teil ihrer Funk­tion ein­ge­büßt haben. Aus diesem Grund ist es wichtig, auf früh­zei­tige Sym­ptome wie ver­mehr­tes Trinken und Urin­aus­schei­dung zu achten. Bei Nie­ren­er­kran­kun­gen wird zwi­schen akuter und chro­ni­scher Nie­ren­in­suf­fi­zi­enz unter­schie­den, in beiden Fällen bezeich­net die Insuf­fi­zi­enz eine Unter­funk­tion einer oder beider Nieren. In akuten Fällen lässt sich über die Ernäh­rung nichts aus­rich­ten, der Hund muss vom Tier­arzt behan­delt werden, übli­cher Weise mit Infu­sio­nen und Mitteln zur Stär­kung der Nie­ren­funk­tion. Ein akutes Auf­tre­ten lässt sich meist gut behan­deln und dauert nur kurz an, wobei immer auch nach der Ursache gesucht werden muss. Bei der chro­ni­schen Nie­ren­in­suf­fi­zi­enz (CNI), welche viele Ursa­chen wie Dia­be­tes, andere Erkran­kun­gen, Organ­schä­den oder Ver­gif­tun­gen haben kann, ist eben­falls ein Tier­arzt auf­zu­su­chen, welcher die weitere Behand­lung mit dem Hun­de­hal­ter bespricht und regel­mä­ßig die Blut­werte kon­trol­liert. 

 

Die Füt­te­rung bei Nie­ren­er­kran­kun­gen zielt auf eine Ent­las­tung der Nieren ab, wobei Hunde unter­schied­li­che Bedürf­nisse haben können: All­ge­mein emp­fiehlt sich zwar immer eine Senkung des Phos­phat­spie­gels, dennoch ist der Wert an freien Phos­pha­ten bei manchen nie­ren­kran­ken Tieren erhöht, bei anderen nicht. Neben der all­ge­mei­nen Ernäh­rung gibt es hier noch die Mög­lich­keit, vom Tier­arzt einen Phos­phat­bin­der ver­ord­nen zu lassen, welcher über das Futter gegeben wird und die Phos­phat­auf­nahme hemmt. 

Eine Nie­ren­in­suf­fi­zi­enz kann leider nicht geheilt, sondern ledig­lich ihr Verlauf gebremst werden. Früher oder später kommt es zur Urämie, das heißt zur Ver­gif­tung des Blutes, da die gefil­ter­ten Stoffe nicht mehr aus­rei­chend über den Harn aus­ge­schie­den werden können. 

 

 

Fütterung

  • Was­ser­ver­sor­gung sicher­stel­len!
  • Phos­phat­re­du­zie­rung (selbst her­ge­stellte Ratio­nen oder Einsatz von Phos­phat­bin­dern)
  • Ver­zicht auf Knochen (hoher Phos­ph­or­ge­halt)
  • Organ­fleisch wegen hohem Phos­phat­ge­halt meiden, Aus­nahme Thy­mus­drüse
  • Deckung des Kal­zi­um­be­darfs mittels Eier­schale oder Kalziumkarbonat/-citrat
  • mode­rate (gemä­ßigte) Senkung des Pro­t­e­in­ge­hal­tes
  • Zufuhr von Kalium, Magne­sium und Natrium bei Durch­fäl­len und Erbre­chen
  • ver­mehrte Gabe von Vitamin A und Vitamin-B-Komplex
  • zusätz­li­che Gabe von Vitamin C
  • Füt­te­rung schwe­fel­rei­cher Lebens­mit­tel (Eigelb, Leber, Fisch, Käse, Obst) 
  • Redu­zie­rung der Pflan­zen­öle
  • nütz­li­che Kräuter: Brenn­nes­sel­sa­men, Cor­dy­ceps, große Klette, Eibisch, Ginkgo, Weiß­dorn, Löwen­zahn, Gold­rute, Alfalfa 

 

Am wich­tigs­ten ist für einen nie­ren­kran­ken Hund wohl die stän­dige Bereit­stel­lung von Wasser. Der Hund sollte so viel Wasser wie er möchte zu sich nehmen, trinkt er schlecht, sollte er sogar dazu ani­miert werden. Um die Was­ser­ver­sor­gung darüber hinaus sicher zu stellen, sollte auf zusätz­li­che Gaben von Salz oder das Ver­füt­tern sal­zi­ger Lebens­mit­tel ver­zich­tet werden, da dies den­sel­ben Effekt hätte, als würde ein Ver­durs­ten­der Salz­was­ser trinken. Der nächste wich­tige Schritt ist die Redu­zie­rung des Phos­phat­ge­hal­tes im Futter. Zum einen sollten daher Lebens­mit­tel mit hohem Phos­ph­or­ge­halt gemie­den werden, was beson­ders Knochen, aber auch Organ­fleisch mit Aus­nahme der Thy­mus­drüse (Bries), betrifft. Zum anderen kann der Kal­zi­um­ge­halt im Futter leicht ange­ho­ben werden, da eine ver­mehrte Auf­nahme von Kalzium die Auf­nahme von Phos­phor hemmt. Dies ist aller­dings nur bei Hyper­phos­phatä­mie (erhöh­ter Phos­phat­spie­gel im Blut) trotz gesenk­tem Phos­ph­or­ge­halt in der Nahrung ange­ra­ten. Die Menge an Kalzium kann bis auf ein Ver­hält­nis von 3:1 Kalzium zu Phos­phor gestei­gert werden. Die Phos­phor­auf­nahme sollte 45mg/kg KM/Tag nicht über­stei­gen, im Ver­hält­nis zum Ener­gie­ge­halt des Futters sollten es nicht mehr als 200mg/MJ sein. Andere Mine­ral­stoffe müssen nicht redu­ziert gefüt­tert werden, Natrium, Kalium und Magne­sium sollten bei län­ge­ren Durch­fäl­len oder Erbre­chen sogar ver­mehrt zuge­führt werden. Vitamin A sowie die B-Vit­amine können in dop­pel­ter bis drei­fa­cher Menge benö­tigt werden, da sie durch die Funk­ti­ons­schä­di­gung ver­mehrt über die Nieren aus­ge­schie­den werden. Vitamin C kann eben­falls ein kleinen Mengen bei­ge­ge­ben werden, um den gesam­ten Orga­nis­mus des Hundes zu stärken. 

Ob der Pro­t­e­in­ge­halt gesenkt werden soll oder nicht, ist strit­tig. In vete­ri­när­me­di­zi­ni­schen Fut­ter­mit­teln ist der Pro­t­e­in­ge­halt leicht gesenkt, Meyer und Zentek emp­feh­len eine gemä­ßigte Senkung auf 8 bis 10g/MJ ver­dau­li­ches Roh­pro­tein zu Energie statt der emp­foh­le­nen 10g/MJ bei gesun­den Tieren. Einer­seits ist die Niere an der Pro­tein­ver­wer­tung betei­ligt, wes­we­gen eine hohe Pro­te­in­zu­fuhr sie zusätz­lich belas­tet, ande­rer­seits sind Pro­te­ine für Aufbau und Erhalt von Gewebe zustän­dig, wes­we­gen der Gehalt nicht zu stark gesenkt werden darf. 

Ver­schie­dene Kräuter können die Funk­tion der Nieren unter­stüt­zen: Brenn­nes­sel­sa­men redu­zie­ren das Krea­ti­nin, Cor­dy­ceps schützt die Nieren selbst, große Klette und Eibisch wirken ent­zün­dungs­hem­mend und beru­hi­gend, Ginkgo und Weiß­dorn unter­stüt­zen die Durch­blu­tung und Herz­funk­tion und Löwen­zahn wirkt harn­trei­bend und fördert damit die Aus­schei­dung der aus­ge­fil­ter­ten Stoff­wech­sel­pro­dukte aus der Niere. 

 

Quellen:

  • http://flexikon.doccheck.com/de/Chronisches_Nierenversagen
  • http://flexikon.doccheck.com/de/Hyperphosphat%C3%A4mie
  • Simon, Swanie: BARF SENIOR – Bio­lo­gisch Art­ge­rech­tes Rohes Futter im Alter und bei Erkran­kun­gen, 1. Auflage, 2008. 
  • Meyer, Helmut; Zentek, Jürgen: Ernäh­rung des Hundes. Grund­la­gen – Füt­te­rung – Diä­te­tik, 6. Auflage, Enke Verlag Stutt­gart, 2010. 

2 Kommentare

  1. Marion

    Hallo,
    woher weiß ich denn wieviel ich bei einem 6kg schwe­ren Hund mit CNI Stadium 3 füttern soll?
    Wo finde ich Angaben über welche Lebens­mit­tel in welcher g. Zahl ich füttern kann?

    L.G
    Marion

    1. Vitaler Hund

      Hallo Marion,

      die Rati­ons­be­rech­nung funk­tio­niert – mit Aus­nahme der nie­ren­spe­zi­fi­schen Sachen – wie beim Barfen, also der Roh­füt­te­rung. Aller­dings sind die Ratio­nen für einen Hund von diesem Gewicht nur schwer zu berech­nen, zu besor­gen und ein­zu­tei­len. Zumal er ver­mut­lich noch gar kein Barf kennt? Wie alt ist der Hund denn?
      Ich würde bei einem Hund, der noch kein Roh­fleisch kennt und nun schwer erkrankt ist, nicht auf Fleisch umstel­len. Es gibt aus­ge­wo­gene Fer­tig­diä­ten vom Tier­arzt, wobei ich zu Nass­fut­ter raten würde (Thema Nieren und Flüs­sig­keit).
      Wenn es wirk­lich Barf werden soll, würde ich einen Ernäh­rungs­be­ra­ter emp­feh­len, der Erfah­rung mit krank­heits­be­din­gen Diäten hat.
      Wenn Sie weitere Fragen haben oder einen Erfah­runsaus­tausch suchen, lege ich Ihnen unser Forum ans Herz.

      Liebe Grüße und alles Gute für den Vier­bei­ner!

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