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Impfungen

A. Stettin - ImpfungenDie Imp­fun­gen bieten ein sehr breites The­men­spek­trum, nicht nur, weil es Imp­fun­gen gegen viele ver­schie­dene Krank­hei­ten gibt, sondern auch in ver­schie­de­nen Kom­bi­na­tio­nen, von ver­schie­de­nen Her­stel­lern und mit unter­schied­li­cher Wir­kungs­dauer. Auch die Dis­kus­sion über mög­li­che Neben­wir­kun­gen, beson­ders im Zusam­men­hang mit dem künst­lich zuge­setz­ten Thio­mersal – eine Queck­sil­ber­ver­bin­dung, die zur Kon­ser­vie­rung während oder nach der Her­stel­lung mancher Impf­tstoffe bei­ge­ge­ben wird – ist groß. Im fol­gen­den soll ein Über­blick über die Krank­heit selbst, gegen welche der Impf­tstoff gerich­tet ist, die häu­figs­ten Kom­bi­na­ti­ons­impf­stoffe sowie die Wirk­dauer und die Wir­kungs­weise gegeben werden.

 

 

Wirkdauer

Die Wirk­dauer der Impf­stoffe ist – wie in den fol­gen­den Arti­keln beschrie­ben – sehr unter­schied­lich. Aller­dings gibt es eine aus den USA stam­mende Studie von Ronald D. Schultz (»Con­s­i­de­ra­ti­ons in Desi­gning Effec­tive and Safe Vac­ci­na­tion Pro­grams for Dogs«). In dieser unter­such Schultz, wie lange die Immu­ni­tät nach der Impfung tat­säch­lich besteht, unab­hän­gig von ihrer ein­ge­tra­ge­nen Gül­tig­keit. Hier seine Ergeb­nisse zur Wirk­dauer und Nach­weis­bar­keit eines Anti­kör­per­spie­gels im Blut kurz zusam­men gefasst:

Wirkdauer Impfungen zugeschnitten

 

 

Im Belas­tungs­ver­such (chal­lenge study) werden Tiere – oder in anderen Studien auch Men­schen – klas­si­scher Weise mit dem Erreger in Kontakt gebracht, um zu testen, ob dieser trotz Impfung zu einer Infek­tion führt. Das heißt, dass bei Erre­ger­kon­takt die Impf­stoffe für Staupe, Par­vo­vi­rose und Hepa­ti­tis noch bis zu sieben Jahre nach der Impfung Schutz bezie­hungs­weise Immu­ni­tät bieten. Im Falle von Tollwut sind es immer­hin drei Jahre. Der Titer­nach­weis (sero­logy) zeigte, dass Anti­kör­per noch bis zu acht Jahre darüber hinaus im Blut vor­han­den sind.

Die vier hier genann­ten Impf­stoffe gegen Tollwut, Hepa­ti­tis, Par­vo­vi­rose und Staupe werden von Schultz als »core vac­ci­na­ti­ons« bezeich­net. Sie sind für jeden Hund wichtig. ALs »non-core vac­ci­na­ti­ons« gelten Imp­fun­gen wie Lep­to­spi­rose und Zwin­ger­hus­ten. Sie seien nicht essen­zi­ell für einen Hund.

 

Immunisierung

Eine wich­tige Rolle für die Immu­ni­sie­rung spielen unab­hän­gig vom Impf­stoff und der zu imp­fen­den Krank­heit die mater­na­len Anti­kör­per. Sie sind der Grund dafür, weshalb Staupe, Hepa­tits und Par­vo­vi­rose bei erst­ma­li­ger Impfung in einem Alter von acht Wochen vier Wochen später noch einmal ver­ab­reicht werden. Die mater­na­len Anti­kör­per werden über die Mut­ter­milch auf­ge­nom­men und dienen dem Schutz des Welpen vor Infek­tio­nen. Da eine Impfung aber meist nichts anderes als eine kon­trol­lierte Infek­tion mit einem Lebend­impf­stoff ist, reagiert der Körper darauf und ver­hin­dert die nach­hal­tige Immu­ni­sie­rug. Da die mater­na­len Anti­kör­per nach dem Abstil­len aller­dings abster­ben, kann in einem Alter von zwölf Wochen erneut mit mehr Erfolg geimpft werden. Dieses Ver­fah­ren nennt sich Grund­im­mu­ni­sie­rung, wobei die Impf­kom­mis­sion im Bun­des­ver­band prak­ti­zie­ren­der Tier­ärzte zusätz­lich eine ein Jahr später fol­gende, erneute Impfung als wichtig erach­tet, um vollen Impf­schutz zu gewähr­leis­ten. Packungs­bei­la­gen ver­schie­de­ner Impf­stoff­her­stel­ler wider­spre­chen dem aller­dings (siehe hierzu die Artikel der ein­zel­nen Imp­fun­gen).

Ein ähn­li­ches Problem besteht bei der Impfung kranker Hunde. Leidet ein Hund zur Zeit der Impfung an einer Infek­ti­ons­krank­heit oder hat ein durch eine andere Erkran­kung geschwäch­tes Immun­sys­tem, kann nicht garan­tiert werden, dass er vollen Impf­schutz erlangt. Aus diesem Grund geht der Impfung auch eine Ent­wur­mung voraus, falls der Hund nicht regel­mä­ßig in dieser Rich­tung unter­sucht (Kot­probe über min­des­tens drei Tage) und behan­delt wird. Bei einem Befall kann die Wirkung der Impfung nicht garan­tiert werden. Zusätz­lich wird der Hund daher vor der Impfung vom Tier­arzt äußer­lich und per Tast­un­ter­su­chung in Augen­schein genom­men, um mög­li­che Anzei­chen für eine bisher unbe­merkte Erkran­kung vor der Impfung finden zu können. Nor­ma­ler Weise impft ein Tier­arzt kein krankes oder belas­te­tes Tier, weshalb Auf­fäl­lig­kei­ten in dieser Rich­tung auch immer vor der Impfung zu erwäh­nen sind, damit zusam­men mit dem Tier­arzt das weitere Vor­ge­hen und ein mög­li­ches Ver­schie­ben der Impfung bespro­chen werden kann. Auch bei chro­nisch kranken Tieren sollte gemein­sam mit dem Tier­arzt ein ange­pass­ter Impf­plan bespro­chen werden, falls nötig.

Eine inter­es­sante Methode gerade im Zusam­men­hang mit auf Imp­fun­gen emp­find­lich reagie­ren­den Tieren ist die Titer­be­stim­mung. Über eine Blut­probe lassen sich die Anti­kör­per­ti­ter aller zu imp­fen­den Krank­hei­ten bestim­men, sodass ein indi­vi­du­el­les Wir­kungs­dau­er­pro­fil erstellt werden kann. Da die meisten Impf­stoffe auch als Ein­zel­kom­po­nen­ten erhält­lich sind, kann also bei Bedarf – oder einfach auch auf Wunsch – nur jene Kom­po­nente gespritzt werden, deren Titer unter dem Grenz­wert der Immu­ni­tät liegt. Aller­dings muss an dieser Stelle gesagt werden, dass es keine genau bestimm­ten Grenz­werte gibt. Die Angaben dazu vari­ie­ren zum Bei­spiel für die Ein­reise in bestimmte Länder. Bei welchem Titer noch Immu­ni­tät besteht, kann daher nicht genau gesagt werden. Die Gedächt­nis­zel­len, welche bei einer Immu­ni­sie­rung eben­falls gebil­det werden und bei einer erneu­ten Infek­tion zügig Anti­kör­per bilden können, spielen für die Immu­ni­tät eine ebenso große Rolle, können aller­dings nicht gemes­sen werden. Dennoch kann die Titer­be­stim­mung eine gute Methode sein, den Tier­arzt von der nicht vor­han­de­nen Not­wen­dig­keit einer Impfung zu über­zeu­gen.

 

Die Frage nach dem Muss: Gibt es eine Impfpflicht in Deutschland?

Die kurze Antwort auf diese Frage lautet: »Nein, eine solche gibt es nicht.« Aller­dings heißt das nicht, dass nun einfach auf jeden Impfung ver­zich­tet oder ganz locker mit dem Thema umge­gan­gen werden kann. Ein­zelne Impf­stoffe werden in ver­schie­de­nen Situa­tio­nen gefor­dert, zum Bei­spiel beim Besuch einer Hun­de­schule und bei der Ein- und Aus­reise in andere Länder. Man sollte auch nicht ver­ges­sen, dass Imp­fun­gen dem Hund Schutz vor Krank­hei­ten bieten, an denen unge­impfte Tiere noch heute sterben (zum Bei­spiel Parvo-Welpen, meist aus dem Wel­pen­han­del). Näheres zu den ein­zel­nen Impf­stof­fen und wann und ob sie von Bedeu­tung sind ist in den ent­spre­chen­den Arti­keln zu finden, die Ein- und Aus­rei­se­be­stim­mun­gen können bei der jewei­li­gen Bot­schaft erfragt werden. Beson­ders für die Ver­bri­nung in und aus Dritt­län­dern, welche nicht der EU ange­hö­ren, gelten beson­dere Bestim­mun­gen, welche auch in der »Ver­ord­nung (EG) Nr. 998/2003 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 26. Mai 2003 über die Vete­ri­när­be­din­gun­gen für die Ver­brin­gung von Heim­tie­ren zu anderen als Han­dels­zwe­cken und zur Ände­rung der Richt­li­nie 92/65/EWG des Rates« nach­ge­le­sen werden können. 

 

Kleiner Tipp zum Schluss: Hunde, die zu Impf­beu­len neigen, reagie­ren manch­mal an unter­schied­li­chen Ein­stich­stel­len auch unter­schied­lich. Die Imp­fun­gen können im Nacken- sowie im Becken­be­reich inji­ziert werden, sollte der Hund an einer Stelle emp­find­lich reagie­ren, sollte bei der nächs­ten Impfung die andere getes­tet werden. Außer­dem ist es ratsam, nicht alle Imp­fun­gen gleich­zei­tig zu geben und Tollwut sowie ihre Kom­bi­na­ti­ons­impf­stoffe von Staupe, Hepa­tits und Par­vo­vi­rose und den mög­li­chen Kombi-Imp­fun­gen zu trennen. Etwa vier Wochen Abstand zwi­schen beiden Imp­fun­gen zeigten in der Erfah­rung gute Ergeb­nisse.

Schluss­end­lich gilt für alle Imp­fun­gen: So viel wie nötig, so wenig wie möglich und immer mit Ver­stand!

 

Quellen:

Tollwut

Zur Geschichte

Tollwut ist wohl die wich­tigste Impfung, nicht nur, weil sie für die Ein- und Aus­reise inner­halb wie außer­halb der EU von den meisten Ländern gefor­dert wird, sondern auch, weil sie als Seuche gilt, was den Behör­den gesetz­lich erlaubt, ein mög­li­cher Weise betrof­fe­nes Tier auf Ver­dacht zu töten oder … 

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Staupe

Die Krank­heit

Staupe ist eine Virus­er­kran­kung, die sich über die Aus­schei­dun­gen (Urin und Kot, aber auch Nasen­se­kret) infi­zier­ter Tiere ver­brei­tet und vor allem Rachen­raum sowie Magen-Darm-Trakt befällt. Sie kann bei Hunden, aber auch bei Wölfen, Mardern, Wasch­bä­ren, Füchsen und anderen Tieren auf­tre­ten. Da der Erreger einige Tage an der … 

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Hepatitis contagiosa canis

Die Krank­heit

Hepa­ti­tis con­ta­giosa canis – auch mit Hepa­ti­tis c.c. oder Hcc abge­kürzt – ist eine durch Viren aus­ge­löste Leber­ent­zün­dung, welche durch den Canine Ade­no­vi­rus-1 (kurz CAV-1) ver­ur­sacht wird. Die aus­ge­löste Leber­ent­zün­dung ist zwar akut, aller­dings kann ein chro­ni­scher Krank­heits­ver­lauf durch den Erreger eben­falls mit ver­ur­sacht werden. Ein Hund kann sich bei einem … 

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Parvovirose

Die Krank­heit 

Par­vo­vi­rose – oder auch Hun­de­seu­che genannt – wird durch Viren aus der Familie der Par­vo­vi­ri­dae aus­ge­löst, von welchen drei bisher als Aus­lö­ser der Krank­heit beim Hund iden­ti­fi­ziert wurden. Sie werden unter dem Begriff Canine Par­vo­vi­ren (CPV-2) zusam­men gefasst. Es werden die Grund­form CPV-2a sowie deren Muta­tio­nen CPV-2b und CPV-2c … 

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Parainfluenza

Die Krank­heit

Die Parain­flu­enza – auch Zwin­ger­hus­ten genannt – ist eine durch Viren und Bak­te­rien aus­ge­löste Infek­tion der oberen Atem­wege, auch infek­tiöse Tracheo-Bron­chi­tis gennant, da sie vor allem die Luft­röhre (Trachea) sowie die Bron­chien befällt. Die Infek­tion kann durch schlechte Lebens­um­stände, man­gelnde Hygiene, ein geschwäch­tes Immun­sys­tem, Stress, Wurm­be­fall oder Man­gel­er­schei­nun­gen begüns­tigt werden. Wie … 

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Leptospirose

Die Krank­heit

Die Lep­to­spi­rose – abge­kürzt auch Lepto oder umgangs­sprach­lich auch »der Tod aus der Pfütze« bezie­hungs­weise »Stutt­gar­ter Hun­de­seu­che« genannt – ver­dankt ihren Namen den Lep­to­spi­ren, den die Krank­heit aus­lö­sen­den Bak­te­rien. Die Lep­to­spi­rose ist eine Zoonose, das heißt, sie kann von Hund zu Mensch und von Mensch zu Hund über­tra­gen werden, weshalb … 

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Borreliose-Impfung

Die Krank­heit

Bor­re­liose – auch Lyme-Krank­heit oder Lyme-Bor­re­liose genannt – ist eine bak­te­ri­elle Infek­ti­ons­krank­heit, aus­ge­löst durch soge­nannte Bor­re­lien. Etwa jede dritte Zecke in Deutsch­land trägt diese Bak­te­rien in ihrem Darm.  Beißt eine dieser Zecken den Hund, werden die in der Darm­wand schlum­mern­den Bor­re­lien akti­viert, gelan­gen in den Spei­chel der Zecke und über … 

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