↑ Zurück zu Impfungen

Leptospirose

Die Krankheit

Die Lep­to­spi­rose – abge­kürzt auch Lepto oder umgangs­sprach­lich auch »der Tod aus der Pfütze« bezie­hungs­weise »Stutt­gar­ter Hun­de­seu­che« genannt – ver­dankt ihren Namen den Lep­to­spi­ren, den die Krank­heit aus­lö­sen­den Bak­te­rien. Die Lep­to­spi­rose ist eine Zoonose, das heißt, sie kann von Hund zu Mensch und von Mensch zu Hund über­tra­gen werden, weshalb die Erkran­kung beim Vete­ri­när­amt mel­de­pflich­tig ist. Die Krank­heit befällt auch andere Tiere wie Katzen, Rinder und Schweine. In feuch­ter Umge­bung und bei über 18 Grad können die Lep­to­spi­ren etwa sechs Wochen im Boden und bis zu drei Monate im Wasser über­le­ben. Bei Tem­pe­ra­tu­ren über 56 Grad sterben die Erreger inner­halb von zehn bis 35 Minuten ab, bei starkem Son­nen­licht nach ein bis zwei Stunden. Die Lep­to­spi­ren können mit gän­gi­gen Des­in­fek­ti­ons­mit­teln unschäd­lich gemacht werden. 

 

Die Über­tra­gung kann direkt – über Biss­wun­den, orale Auf­nahme von infi­zier­tem Gewebe (zum Bei­spiel beim Fressen von Mäusen) oder beim Deckakt – oder indi­rekt – über infi­zier­ten Urin in Erde, Pfützen, Nahrung oder Ein­streu – statt­fin­den. Eine Anste­ckung bei Kontakt mit infi­zier­ten Zecken und Flöhen ist eben­falls nicht aus­ge­schlos­sen. 

Aus­ge­löst werden kann die Lep­to­spi­rose durch eine Viel­zahl von Erre­gern (rund 200 ver­schie­dene Sero­vare), für manche wenige davon ist der Hund Haupt­wirt, für andere nur Neben­wirt. Die früher bekannte »Stutt­gar­ter Hun­de­seu­che« wurde durch den Erreger Lep­to­spira cani­cola aus­ge­löst, welcher heute nur noch selten anzu­tref­fen ist. Für den Hund von Bedeu­tung sind fol­gende Sero­vare, das heißt Varia­tio­nen der Lep­to­spi­ren (nach Wohl, 1996; Greene et al., 2006): bra­tis­lava (Haupt­wirte Ratte, Schwein, Pferd, Igel), cani­cola (Haupt­wirt Hund), hardjo (Haupt­wirt Wie­der­käuer), copen­ha­geni (Haupt­wirt Ratte), pomona (Haupt­wirt Rinder, Schwein, Skunk, Opossum), autum­na­lis (Haupt­wirt Maus), bata­viae (Haupt­wirte Hund, Ratte, Maus), grip­po­ty­phosa (Haupt­wirte Wühl­maus, Wasch­bär, Skunk, Opossum, Bisam­ratte) und ballum (Haupt­wirt Maus). Neben­wirte können, müssen aber keine Sym­ptome der Krank­heit auf­wei­sen. Studien zufolge schei­den aller­dings acht Prozent der kli­nisch gesun­den Hunde Lep­to­spi­ren aus (Van den Broek et al., 1991; Harkin et al.,2003). Ratten und Mäuse sind meist die Haupt­über­trä­ger der Krank­heit, da sie emp­fäng­lich für die Bak­te­rien sind, meist aber nur milde Sym­ptome aus­bil­den und die Erreger teil­weise lebens­lang aus­schei­den können. Inter­es­sant ist außer­dem, dass die meisten Lep­to­spi­ro­s­e­in­fek­tio­nen beim Hund in den USA anzu­tref­fen sind. 

Die Sym­ptome können unter­schied­lich aus­fal­len oder ganz ent­fal­len, je nachdem, mit welcher Art Lep­to­spi­ren der Hund befal­len ist und wie sein All­ge­mein­zu­stand ist. Sym­ptome können Fress­nun­lust, Fieber, Erbre­chen und Durch­fall sein, in schwe­ren Fällen können die Lep­to­spi­ren auch die Nieren befal­len, was teil­weise zu blu­ti­gem Urin führt. Es kann zu Nie­ren­ver­sa­gen und Leber­schä­den mit der Folge von Gelb­sucht (Ikterus) kommen. Bei schwe­ren Fällen und vor allem ohne tier­ärzt­li­che Ver­sor­gung kann der Kreis­lauf ver­sa­gen oder der Organ­scha­den zu groß sein und die Lep­to­spi­rose damit zum Tod führen. Die Inku­ba­ti­ons­zeit kann zwi­schen zwei und 30 Tage betra­gen.

 

 

Der Impfstoff

Der Lep­to­spi­ro­se­impf­stoff – abge­kürzt L – wird meist in Kom­bi­na­tion mit Tollwut ver­ab­reicht, ist aber auch einzeln oder in grö­ße­ren Kom­bi­na­tio­nen wie mit SHPPi erhält­lich. Die Ein­zel­kom­po­nente deckt wie die frü­he­ren Lep­to­spi­ro­se­impf­stoffe die Sero­vare cani­cola und icte­roha­emor­r­ha­giae ab. Da Cani­cola die »Stutt­gar­ter Hun­de­seu­che« aus­löste, hatte dieser Impf­stoff lange große Bedeu­tung, aller­dings werden Infek­tio­ne­nen mit den oben genann­ten anderen Sero­va­ren immer häu­fi­ger. Beson­ders das Serovar grip­po­t­hy­phosa löst immer häu­fi­ger – inzwi­schen ver­mut­lich am häu­figs­ten in Deutsch­land – die Erkran­kung aus, weshalb es im Mitte 2012 von Pfizer erschie­nen Lep­to­spi­ro­se­impf­stoff zusätz­lich zu cani­cola und icte­roha­emor­r­ha­giae ent­hal­ten ist. Der Impf­stoff heißt Endu­racell und ist ein Kom­bi­na­ti­ons­impf­stoff aus Staupe, Hepa­ti­tis, Par­vo­vi­rose, Parain­flu­enza, Tollwut und Lep­to­spi­rose. Einzeln ist der drei­fach-Impf­stoff gegen die Lep­to­spi­rose schein­bar leider noch nicht ver­füg­bar, auch eine Packungs­bei­lage ist online bisher nicht ein­seh­bar. Es handelt sich aber wie bei den anderen Impf­stof­fen auch um einen Lebend­impf­stoff, das heißt eine aktive Immu­ni­sie­rung findet statt. Die Wir­kungs­dauer ist laut Packungs­bei­lage und je nach Her­stel­ler auf ein Jahr aus­ge­schrie­ben, aller­dings beträgt die effek­tive Wirk­dauer mit tat­säch­li­chem Schutz eher etwa ein halbes Jahr, weshalb in betrof­fe­nen Gebie­ten alle sechs Monate oder sogar häu­fi­ger geimpft wird. Dies ist zuge­ge­be­ner Maßen ungüns­tig, wenn die Lep­to­spi­ro­se­kom­po­nente die einzige ist, die so oft geimpft werden muss, alle anderen Kom­po­nen­ten aber eben­falls mit ver­ab­reicht werden müssen. 

 

Quellen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>