Bakterienbesatz

Vom Magen bis zum Dick­darm hin enthält der gesamte Ver­dau­ungs­ka­nal des Hundes einen mehr oder weniger großen Bak­te­ri­en­be­satz. Während im Magen noch recht wenige zu finden sind, sind im Dick­darm bis zu 100 Mil­li­ar­den Bak­te­rien pro Gramm zu finden. Die Zahl steigt also vom Anfang bis zum Ende des Ver­dau­ungs­ka­nals stetig an. Es sind sowohl aerobe (sauer­stoff­ver­brau­chende) bezie­hungs­weise fakul­ta­tiv aerobe (sauer­stoff­to­le­rante) als auch anae­robe (ohne Sauer­stoff lebende) Bak­te­rien zu finden. Dabei nimmt die Zahl letz­te­rer im Verlauf der Darm­pas­sage stetig zu, sodass sie im Dick­darm die Anzahl sauer­stoff­ver­brau­chen­der Bak­te­rien über­stei­gen.
Zwi­schen den Darm­bak­te­rien und dem Hund als ihrem Wirt besteht eine soge­nannte Eubiose, das heißt ein aus­ge­wo­ge­nes Gleich­ge­wicht zwi­schen Bak­te­rien und Wirt. Dieses kann durch Durch­fall­erkran­kun­gen oder grobe Füt­te­rungs­feh­ler gestört werden. Auch die Gabe von Anti­bio­tika kann die Eubiose stören, indem sie zusätz­lich zu den Bak­te­rien, die sie eigent­lich abtöten soll, auch Darm­bak­te­rien angreift. Als erster Aus­gleichs­me­cha­nis­mus für die Eubiose gilt der nied­rige pH-Wert im Magen, welcher von außen ein­drin­gende Bak­te­rien wei­test­ge­hend abtötet. Des­wei­te­ren pro­du­zie­ren die Darm­bak­te­rien soge­nannte Bak­te­rio­zine, das heißt Toxine, die ähn­li­che oder kon­kur­rie­rende Bak­te­ri­en­stämme und andere Mikro­or­ga­nis­men in ihrem Wachs­tum hemmen oder sogar abtöten können. Immun­glo­bu­line, Enzyme, Galle sowie die Mus­kel­tä­tig­keit des Darms selbst (Peris­tal­tik) hemmen ebenso die Aus­brei­tung uner­wünsch­ter Bak­te­rien im Darm.

 

 

Im Darm des Hundes natürlich vorkommende Bakterien

Wie bereits erwähnt wird zwi­schen (fakul­ta­tiv) aeroben, das heißt sauer­stoff­ver­brau­chen­den und sauer­stoff­to­le­rie­ren­den, sowie anae­ro­ben, das heißt ohne Sauer­stoff leben­den Bak­te­rien unter­schie­den. Zu den im Ver­dau­ungs­ka­nal natür­lich vor­kom­men­den (fakul­ta­tiv) aeroben Bak­te­rien beim Hund gehören Bak­te­rien der Familie Ent­er­o­bac­te­ri­aceae sowie jeweils mehrere Spezies der Gat­tun­gen Strep­to­coc­cus, Sta­phy­lo­coc­cus, Cory­ne­bac­te­rium, Bac­il­lus und Pseu­do­mo­nas.  

Zu den anae­ro­ben Bak­te­rien zählen ver­schie­dene Spezies der Gat­tun­gen Bac­te­ro­ides, Fuso­bac­te­rium, Clo­s­tri­dium, Eubac­te­rium, Bifi­do­bac­te­rium, Lac­to­ba­c­il­lus sowie Peptost­rep­to­coc­cus. Die genann­ten (fakul­ta­tiv) aeroben sowie anae­ro­ben Bak­te­rien kommen alle im Duo­de­num (Zwölf­fin­ger­darm), Ileum (Teil des Dünn­darms) und Kolon (Teil des Dick­darms) vor, ledig­lich die Spezies der Gattung Fuso­bac­te­rium sind nur im Ileum und Kolon zu finden. Die Anzahl aller Bak­te­rien steigt vom Duo­de­num bis hin zu Kolon, teil­weise auf Werte über eine Mil­li­arde.

 

 

Nutzen und Schaden

Bei Bak­te­rien wird in ver­schie­dene Kate­go­rien unter­teilt, je nachdem, in welchem Ver­hält­nis sie zu ihrem Wirt stehen. Sym­bion­ten nutzen ihrem Wirt, im Falle vom Hund und seinen Darm­bak­te­rien zum Bei­spiel durch die Syn­these von Vit­ami­nen oder die Spal­tung noch unver­dau­ter Nah­rungs­be­stand­teile, wie es im Artikel Ver­dau­ungs­en­zyme unter dem Punkt »Bak­te­ri­ell gebil­dete Enzyme« bereits erläu­tert wurde. Die soge­nann­ten Kom­men­sa­len haben weder einen posi­ti­ven, noch einen nega­ti­ven Effekt auf ihren Wirt, sprich den Hund. Pro­ble­ma­tisch sind aller­dings Patho­bion­ten und Patho­gene. Als Patho­bion­ten werden jene Bak­te­rien bezeich­net, die aus­schließ­lich nach­tei­lig für ihren Wirt sind. Sie kommen wie Sym­bion­ten und Kom­men­sale im Darm jedes Hundes vor, es ist ledig­lich wichtig, dass das Gleich­ge­wicht zwi­schen allen dreien stimmt. Solange dieses gewähr­leis­tet ist, ist der Hund gesund. Bei einem kranken Hund aller­dings über­wie­gen die Patho­bion­ten. Durch ihre Über­zahl werden sie zu Patho­ge­nen, das heißt zu Krank­heits­er­re­gern. 

 

Krankhafte Störungen im Gleichgewicht der Darmflora

Ver­schie­dene Füt­te­rungs­feh­ler können wie oben erwähnt zu einer Störung des Gleich­ge­wichts der Darm­flora führen, wodurch es zu Erkran­kun­gen des Ver­dau­ungs­ka­nals kommt, die sich meist in Durch­fall äußern. Eine solche krank­hafte Störung der Darm­flora wird auch als Dys­biose bezeich­net. 

Ein­fluss auf das Gleich­ge­wicht können Milch­zu­cker (Laktose), Stärke, sel­te­ner auch Eiweiß und Fett nehmen. Laktose und ver­schie­dene Stärken können unter Umstän­den zu einem Anstieg der Milch­säu­re­gä­rung im Magen, Dünn­darm und Kolon führen. Dieser Anstieg führt gleich­zei­tig zu einem Anstieg des Milch­säu­re­ge­halts und damit zu einem Abfall des pH-Wertes in den sauren Bereich. Es kommt zur »Über­säue­rung« und damit zu wäss­ri­gem Durch­fall. 

Bei sehr eiweiß­hal­ti­gen, bin­de­ge­webs­rei­chen und ein­sei­ti­gen Fut­ter­ra­tio­nen kann die Zahl eiweiß­spal­ten­der Bak­te­rien (zum Bei­spiel Clo­s­tri­dium per­frin­gens) massiv anstei­gen. Dadurch werden andere nütz­li­che Bak­te­ri­en­ar­ten in ihrer Zahl zurück­ge­drängt, gleich­zei­tig können von außen ein­drin­gende, schäd­li­che Bak­te­rien sich leich­ter ansie­deln. Es kommt zu einer emp­find­li­chen Störung im bak­te­ri­el­len Gleich­ge­wicht, was sich schon bei gerin­ger Mehr­be­las­tung des Darms, zum Bei­spiel durch nicht ganz hygie­ni­sche Nahrung, in starkem Durch­fall äußert. Eine andern­falls unbe­denk­li­che Menge von außen über das Futter ein­drin­gen­der Bak­te­rien kann also bereits schäd­lich sein, wenn das kör­per­ei­gene Bak­te­ri­en­gleich­ge­wicht in dieser Art geschä­digt ist.

Fett hin­ge­gen wirkt eher dämp­fend auf die Darm­bak­te­rien anstatt för­dernd auf ein­zelne Spezies. Es hemmt die Fer­men­ta­tion, das heißt die Umwand­lung orga­ni­scher Nah­rungs­be­stand­teile durch Mikro­or­ga­nis­men wie Bak­te­rien. Dieser Effekt kann bei Hunden, die zu Gasbildung/Blähungen (im Magen wie im Darm) neigen, ent­spre­chend durch die Gabe von Fetten genutzt werden.

 

Förderung der Bakterienaktivität

Die Gabe von soge­nann­ten Pro­bio­tika (milch­säu­re­bil­dende Keime) zum Bei­spiel setzt bei der geziel­ten För­de­rung spe­zi­el­ler Darm­bak­te­rien zur För­de­rung der Ver­dau­ung all­ge­mein an. Die Milch­säu­re­bak­te­rien sollen sich Beob­ach­tun­gen zufolge kurz­zei­tig im Darm ansie­deln und dort positiv auf die Ver­dau­ung wirken, sodass ihre Gabe oftmals bei Durch­fall und anderen Darm­er­kran­kun­gen ange­ra­ten wird.

Auch durch Bak­te­rien im Dick­darm umwan­del­bare Koh­len­hy­drate wie Pektine, Fruc­too­li­gosac­charide (FOS), Guar-Gummi und Mann­a­noli­gosac­charide (MOS) sollen die Stoff­wech­sel­ak­ti­vi­tät von sym­bio­ti­schen Bak­te­rien wie Bifi­do­bak­te­rien und Lak­to­ba­zil­len fördern. Beson­ders FOS und MOS befin­den sich unter anderem des­we­gen immer häu­fi­ger in Fer­tig­fut­ter­mit­teln.

2 Kommentare

  1. J.Schuster

    Hallo, fol­gen­des wollte ich einmal dar­le­gen : habe eine 13 jahre alte Yorks­here Hündin , die seit 4 Monaten an Gewichts­ver­lust leidet , Darm­pa­ra­si­ten wurden gefun­den sofort Wurmkur. Danach stellte sich wäss­ri­ger Durch­fall ein mit kleinen schlei­mi­gen Bei­men­gun­gen und kleinen röt­li­chen Einkapselungen…Der Tier­arzt hat bist heute 350 EUR bekom­men für Röntgen gesamte Regio­nen des Bauch­rau­mes, Ultra­schall und nun eine spe­zi­elle Kot­un­ter­su­chung wegen evtl.Verdacht auf Bak­te­rien, Viren,,,weil dieses Tier ganz schlecht frißt und nu Wasser als Kot absetzt. Also alles negativ und heute liegt er ganz sicher im Sterben.. Der TA meinte es könnte noch ein Kar­zi­nom im DD sein,,,ja und nun ??? dazu ist es zu spät zu schauen,,und zu alt bestimmt. Nur hat man was über­se­hen ??? l

    1. Vitaler Hund

      Hallo und erstmal mein Beileid.

      Leider kann ich in keiner Weise sagen, was die Ursache hierfür sein könnte. Ich kann Ihnen ledig­lich raten, umge­hend eine Tier­kli­nik auf­zu­su­chen. Es klingt, als käme da etwas aus dem Darm mit (Blut oder Gewebe viel­leicht bei roten Kapseln). Wenn der Haus­tier­arzt nicht weiter kommt, hilft nur noch die Klinik. Einige davon haben 24 Stunden offen. Eine solche würde ich in der Umge­bung suchen und den Hund direkt dorthin bringen. Selbst wenn es nur zum Ein­schlä­fern ist.

      Alles Gute!

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