Verdauungssäfte

Neben dem Aufbau des Ver­dau­ungs­ka­nals und der mecha­ni­schen Funk­tion der Darm­mus­ku­la­tur spielen für die Fut­ter­ver­wer­tung auch noch andere Fak­to­ren eine Rolle: Ver­dau­ungs­en­zyme, pH-Werte, Darm­bak­te­rien und ver­schie­dene Sekrete. Letz­tere bestim­men mit ihrer Zusam­men­set­zung unter anderem den pH-Wert und nehmen damit vor allem auf die Eiweiß­ver­dau­ung Ein­fluss, sind Trans­port­mit­tel für Ver­dau­ungs­en­zyme und dienen der »Schmie­rung« auf­ge­nom­me­nen Futters (zur Unter­stüt­zung des Schlu­ckens). Die Sekrete im Ein­zel­nen sollen nach­fol­gend behan­delt werden.

 

 

Speichel

Der Spei­chel wird von vier ver­schie­de­nen Drü­sen­re­gio­nen in der Maul­höhle pro­du­ziert: Den Ohr­spei­chel­drü­sen (Parotis, unter­halb des Ohr­grun­des), den Unter­kie­fer­drü­sen (in der Nähe des Kie­fer­ge­len­kes), meh­re­ren Unter­zun­gendrü­sen und den Backen­drü­sen (unter­halb der Augen). Der Spei­chel setzt sich aus orga­ni­schen und anor­ga­ni­schen Kom­po­nen­ten zusam­men, wobei der orga­ni­sche Anteil über­wiegt, die genaue Zusam­men­set­zung aber vom Futter abhängt. Während bei Füt­te­rung von rohem Fleisch nur ein schlei­mi­ges Sekret in gerin­ger Menge pro­du­ziert wird, wird bei Füt­te­rung von Fleisch­pul­ver ein wäss­ri­ges Sekret, gebil­det in der Ohr­spei­chel­drüse, in grö­ße­rer Menge abge­ge­ben. Den orga­ni­schen Anteil des Spei­chel­se­kre­tes bilden Schleim­sub­stan­zen, welche die Schleim­häute schüt­zen und den Trans­port des Chymus (Spei­se­breis) durch den Ver­dau­ungs­trakt erleich­tern. Außer­dem enthält Hun­despei­chel die Men­gen­ele­mente Natrium, Kalium und Chlorid in höherer Kon­zen­tra­tion, in gerin­ge­ren und stark schwan­ken­den Mengen auch Kalzium, Phos­phor und Magne­sium. Sie machen den anor­ga­ni­schen Anteil des Spei­chels aus, welcher der Ein­stel­lung des pH-Wertes sowie der Unter­stüt­zung der Ver­dau­ung dient. Die Kon­zen­tra­tion der drei letzt­ge­nann­ten scheint gemein­sam mit der Ver­duns­tung von Spei­chel bei Wär­me­be­las­tung außer­dem in Zusam­men­hang mit einer Prä­dis­po­si­tion für die Bildung von Zahn­stein zu stehen. 

Die Unter­zun­gendrü­sen pro­du­zie­ren unab­hän­gig von der Nah­rungs­auf­nahme stetig ein sehr schlei­mi­ges Sekret, welches die Maul­höhle feucht hält. Ohr­spei­chel­drü­sen, Unter­kie­fer­drü­sen und Backen­drü­sen sondern erst dann ein Sekret ab, wenn es tat­säch­lich zur Nah­rungs­auf­nahme kommt oder ein Reiz diese ver­mu­ten lässt (zum Bei­spiel das Öffnen einer Fut­ter­dose). 

 

 

Magensaft

Der Magen­saft wird vor­wie­gend in zwei Schleim­haut­be­rei­chen pro­du­ziert: Der Fundus- sowie der Pylo­rus­drü­sen­schleim­haut. Beide Areale zusam­men bede­cken nahezu die gesamte Magen­in­nen­seite, wobei die Fun­dus­drü­sen in Rich­tung Spei­ße­röhre, die Pylo­rus­drü­sen in Rich­tung Magen­aus­gang gela­gert sind. Wie die übrigen Ver­dau­ungs­se­krete besteht auch der Magen­saft aus orga­ni­schen und anor­ga­ni­schen Kom­po­nen­ten. Zu den anor­ga­ni­schen Antei­len gehört vor allem die Salz­säure, welchen den pH-Wert des Magens ent­schei­dend bestimmt und den Magen­saft im Gegen­satz zu anderen Ver­dau­ungs­säf­ten zu einem sauren pH-Wert ver­hilft. Natrium und Kalium sind eben­falls in höheren Kon­zen­tra­tio­nen ent­hal­ten. Den orga­ni­schen Anteil des Magen­saf­tes bestim­men Schleim­stoffe sowie Ver­dau­ungs­en­zyme. Die Schleim­stoffe sind eine Art kleb­ri­ges Gemisch aus Koh­len­hy­dra­ten, Ami­no­zu­ckern (Ein­fach­zu­cker), Gly­ko­pro­te­inen (Ver­bin­dun­gen aus Pro­te­inen und Ein­fach­zu­ckern), Phos­pho­li­pi­den (was­ser­un­lös­li­che, phos­phor­hal­tige Natur­stoffe) und Muco­po­ly­sac­cha­ri­den (eine Form von Mehr­fach­zu­cker). Diese gelee­ar­tige Sub­stanz stellt eine Art Schutz­schicht für die Magen­schleim­haut dar, um Schäden durch Salz­säure und Ver­dau­ungs­en­zyme zu ver­hin­dern. Aus diesem Grund werden die Schleim­stoffe unab­hän­gig von der Nah­rungs­auf­nahme stetig pro­du­ziert. 

Wie auch der Pan­kre­as­saft (Sekret der Bauch­spei­chel­drüse) enthält der Magen­saft neben den Schleim­stof­fen, Mine­ra­lien und Ver­dau­ungs­en­zy­men einen soge­nann­ten Intrin­sic Factor, zu deutsch intrin­si­scher Faktor. Dabei handelt es sich um ein Gly­ko­pro­tein, ein Protein, welches zusätz­lich einen oder mehrere Ein­fach­zu­cker enthält. Es ver­bin­det sich mit Coba­la­min (Vitamin B12), sodass dieses über­haupt erst vom Körper auf­ge­nom­men werden kann. 

Die Pro­duk­tion von Magen­saft wird in ver­schie­de­nen Phasen in Gang gesetzt: Die Gehirn­phase beschreibt den Moment vor der Fut­ter­auf­nahme, wenn dem Hund durch einen spe­zi­fi­schen Reiz signa­li­siert wird, dass es gleich Futter gibt. Dazu zählen sowohl Rituale wie das Öffnen von Fut­ter­do­sen als auch der Sicht­kon­takt mit der »Beute«. Als Magen­phase wird die Pro­duk­tion von Magen­saft durch das tat­säch­li­che Fressen bezeich­net. Sobald der Hund das Futter auf­nimmt, zerkaut und schluckt und wenn es in Kontakt mit der Magen­schleim­haut kommt wird der Magen­saft abge­son­dert. Die Menge vari­iert dabei je nach Fut­ter­mit­tel (Fleisch zum Bei­spiel stei­gert die Pro­duk­tion). ZUr Darm­phase gehört das Anregen der Pro­duk­tion über die Hormone Gastrin und Chole­cys­to­ki­nin. Ist der pH-Wert im Zwölf­fin­ger­darm zu hoch für eine effek­tive Ver­dau­ung wird über diese fet­tun­lös­li­chen Hormone eine ver­mehrte Pro­duk­tion von Magen­saft aus­ge­löst. Selber Effekt tritt auf, wenn Eiweiß­ab­bau­pro­dukte vor­han­den sind, da für deren Ver­wer­tung eine erhöhte Menge Magen­saft von­nö­ten ist.

 

Pankreassaft

Der Pan­kre­as­saft (Sekret der Bauch­spei­chel­drüse) leitet vor allem Enzyme zur Fett-, Eiweiß- und Koh­len­hy­drat­spal­tung in den Spei­se­brei ein. Diese zählen zu den orga­ni­schen Bestand­tei­len des Pan­kre­as­saf­tes. Zu den anor­ga­ni­schen Bestand­tei­len gehört vor allem Natri­um­bikar­bo­nat, ein Salz, welches imstande ist, den sauren pH-Wert, welcher im Magen durch Salz­säure ent­steht und der Ver­dau­ung dient, wieder zu neu­tra­li­sie­ren. Auf diese Weise werden opti­male Wir­kungs­be­din­gun­gen für die wich­ti­gen Pan­krea­sen­zyme geschaf­fen. Die Abgabe von Pan­kre­as­saft ergolgt in gerin­ge­ren Mengen kon­ti­nu­ier­lich, auch ohne Nah­rungs­zu­fuhr. Die Pro­duk­tion zusätz­li­cher Mengen Pan­kre­as­saft erfolgt nur bei Nah­rungs­auf­nahme und wird hor­mo­nell gesteu­ert. Bei Kontakt der Dünn­darm­schleim­haut mit der Salz­säure des Magen­saf­tes oder mit ver­schie­de­nen Abbau­pro­duk­ten des Spei­se­breis werden die Hormone frei­ge­setzt und setzen die Pro­duk­tion von Pan­kre­as­saft in Gang.

Wie bereits unter dem Punkt Magen­saft erwähnt, pro­du­ziert der Pan­kreas einen Intrin­sic Factor, welcher über den Pan­kre­as­saft unter den Spei­se­brei gemischt wird und später die Auf­nahme von Vitamin B12 (Coba­la­min) ermög­licht.

 

Darmsaft

Der Darm­saft setzt sich vor­wie­gend aus Schleim­stof­fen (Muzine) und Mine­ra­lien zusam­men. Beson­ders Natrium und Bikar­bo­nat sind in höherer Kon­zen­tra­tion vor­han­den. Sie wirken dem erhöh­ten Säu­re­ge­halt des Spei­se­breis durch den Magen­saft ent­ge­gen. Außer­dem ist eine relativ geringe Menge an Enzymen im Darm­saft ent­hal­ten, welche der Rest­ver­dau­ung der bereits vor­ver­dau­ten Nahrung dienen. Ein­ge­lei­tet wird die Pro­duk­tion von Darm­saft haupt­säch­lich durch Bestand­teile des Spei­se­breis, wenn diese den Darm pas­sie­ren. 

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