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Woher kommt die Hundesteuer?

HundesteuermarkeHun­de­hal­ter sind ein­zig­ar­tig unter den Tier­hal­tern, denn sie müssen als einzige Steuern für ihren Vier­bei­ner ent­rich­ten. Von diesem Geld wird aber nicht zwangs­läu­fig auch etwas für Hun­de­hal­ter getan, denn die Hun­de­steuer ist eine reine Luxus­steuer. Damit steht jeder Gemeinde offen, wofür diese Ein­nah­men ver­wen­det werden.
Außer­dem ist die Höhe der Hun­de­steuer Sache der Gemeinde, nicht des Kreises, Landes oder Bundes. Das heißt, jede Gemeinde kann den Steu­er­satz selbst bestim­men, sowohl für Erst- und Zweit­hunde als auch für Lis­ten­hunde. Manche Gemein­den ver­lan­gen den glei­chen Satz für alle, andere wollen für jeden Nicht-Lis­ten­hund den­sel­ben Betrag, aber für Lis­ten­hunde mehr, wieder andere bieten Befrei­un­gen oder Nach­lass bei absol­vier­ten Prü­fun­gen, Assis­tenz­hun­den (Blin­den­hunde u.ä.) oder bestan­de­nen Wesens­tests an. Schon oft wurde ver­sucht, gegen die Hun­de­steuer zu klagen, bislang aber ohne Erfolg.

 

Die Hun­de­steuer ist schon älter, als man viel­leicht glauben mag. Noch in etwas anderer Form exis­tierte sie bereits Mitte des 13ten Jahr­hun­derts als soge­nann­tes »Hun­de­korn«. Im Mit­tel­al­ter galt es als Sport der Adligen, mit Hunden Jagd auf Wild­tiere zu machen. Die Bauern mussten für das Ver­gnü­gen der Adligen ent­we­der selbst einen Hund stellen, oder für die Ver­sor­gung der vor­han­de­nen Hunde auf­kom­men. Also leis­te­ten jene, die keinen Hund stellen konnten, eine Abgabe ähnlich dem Zehnt, der an den Grund­her­ren gezahlt werden musste. Dabei han­delte es sich um Getreide, meist Hafer, Gerste oder Roggen, sodass für diese Steuer der Begriff »Hun­de­korn« aufkam. Wurde die Steuer in Form von Brot bezahlt nannte man dieses dem­entspre­chend das »Hun­de­brot«. Selbst ein »Hun­de­zehnt« exis­tierte ab Ende des 12ten Jahr­hun­derts. Geist­li­che, die keinen Mili­tär­dienst leis­te­ten, mussten sich ander­wei­tig betei­li­gen. Dies geschah unter anderem durch das Stellen von Heer­wa­gen, aber auch durch das Füttern der Hunde des Grund­her­ren. Aus der Abgabe von Lebens­mit­teln für die Hun­de­füt­te­rung wurde schließ­lich der Hun­de­zehnt in Form von Geld­ab­ga­ben.

Zu dama­li­ger Zeit bezahl­ten also arme Bürger über die Hun­de­steuer die Tiere ihrer Grund­her­ren. Doch heut­zu­tage ist es anders herum: Der Hun­de­hal­ter selbst muss zahlen und das an die Gemeinde. Dieser Wandel kommt aus England, wo 1755 die erste »dog bill« – also Hun­de­steuer – ein­ge­führt wurde. Man glaubte, die stei­gende Anzahl Hunde ein­däm­men zu können, wenn man Hun­de­hal­ter für jedes ein­zelne Tier zur Kasse bittet. 1796 wurde in England aus dieser ersten Andeu­tung einer Luxus­steuer dann eine recht­mä­ßige Ver­gnü­gungs­steuer.

Es dauerte nicht lange, bis die ersten deut­schen Lan­des­re­gie­run­gen Gefal­len an dieser Idee fanden: In Würt­tem­berg wurde die Hun­de­steuer 1809 ein­ge­führt, in Preußen 1810. Letzte galt aller­dings unter anderem auch für Katzen und Pferde.

Die heutige Hun­de­steuer fällt unter den Artikel 105, Absatz 2a des Grund­ge­set­zes und ist damit eine ört­li­che Ver­brauch- und Auf­wand­steuer. Eben dies erlaubt den Gemein­den, den Steu­er­satz sowie even­tu­elle Nach­lässe und Befrei­un­gen selbst fest­zu­le­gen. Ihnen steht außer­dem frei, gar keine Hun­de­steuer zu erheben, wie es bei­spiels­weise im hes­si­schen Esch­born der Fall ist. Wirt­schaft­lich gesehen wäre dies aller­dings nicht klug. Immer­hin leben in Deutsch­land über 5 Mil­lio­nen Hunde, die besteu­ert werden können. Das ergibt jedes Jahr etwa 250 Mil­lio­nen Euro Steu­er­ein­nah­men auf ganz Deutsch­land gerech­net.

Quellen:

  • www.artikelmagazin.de/familie/tiere/die-hundesteuer-warum-zahlen-hunde-steuern.html
  • dejure.org/gesetze/GG/105.html
  • www.focus.de/finanzen/steuern/tid-26576/hundesteuer-teurer-als-strassenreinigung-hundebesitzer-fuehlen-sich-abgezockt_aid_783808.html
  • Sta­tis­ti­sches Bun­des­amt Deutsch­land: Finan­zen und Steuern. Rech­nungs­er­geb­nisse des öffent­li­chen Gesamt­haus­halts. Fach­se­rie 14 Reihe 3.1, 2012.

2 Kommentare

  1. Laura

    Wieso werden eigent­lich von Kommune zu Kommune unter­schied­li­che Beträge für die Hun­de­steuer erhoben? Was gibt es da für eine Begrün­dung?

    1. Vitaler Hund

      Hallo Laura,

      die Höhe der Hun­de­steuer kann von jeder Gemeinde selbst fest­ge­legt werden. Das hängt mit den Zustän­dig­keits­be­rei­chen und Ver­ord­nun­gen zusam­men. Und die Hun­de­steuer fällt nunmal nicht in den Zustän­dig­keits­be­reich von Bund, Land oder Kreis, sondern den der Gemeinde (ebenso wie bei­spiels­weise Abwas­ser­ge­büh­ren). Sie ist also eine Gemein­de­steuer.

      Wieso nun bei den einen die Steuer höher ist als bei den anderen, muss noch nicht einmal begrün­det werden. Eine Luxus­steuer ist an keine bestimmte Ver­wen­dung geknüpft. Ebenso sieht es bei Ver­güns­ti­gun­gen und Befrei­un­gen durch ver­schie­dene Prü­fun­gen oder Tätig­kei­ten aus (IPO-Prüfung, Assis­tenz­hund usw.).

      Es soll aber schon Fälle gegeben haben, in denen gegen eine zu horende Hun­de­steuer (ich meine um die 500 Euro) geklagt wurde. Auch laufen immer wieder Peti­tio­nen und diverse Klagen gegen die Hun­de­steuer im All­ge­mei­nen. Bisher blieben all diese Bemü­hun­gen aber leider umsonst.

      Ich hoffe, ich konnte Ihre Frage beant­wor­ten.
      Liebe Grüße
      Vitaler Hund

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