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Tollwut


Achtung: Fledermaustollwut in Schleswig-Holstein!

In Schleswig-Holstein gab es in diesem August einen Fall von Fledermaustollwut, sowohl das Umwelt- als auch das Gesundheitsministerium raten zu entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen. Als Hundehalter sollte man also unbedingt darauf achten, dass der eigene Hund eine gültige Tollwutimpfung besitzt, sonst könnte unten zitierte Tollwutverordnung in Kraft treten!!

Nähere Informationen sowie Sicherheitshinweise finden Sie auf der Internetpräsenz des Landes: Fledermaustollwut in Schleswig-Holstein


 



Zur Geschichte

Tollwut ist wohl die wichtigste Impfung, nicht nur, weil sie für die Ein- und Ausreise innerhalb wie außerhalb der EU von den meisten Ländern gefordert wird, sondern auch, weil sie als Seuche gilt, was den Behörden gesetzlich erlaubt, ein möglicher Weise betroffenes Tier auf Verdacht zu töten oder für drei Monate in Quarantäne zu sperren:

»(1) Für Hunde und Katzen ordnet die zuständige Behörde die sofortige Tötung an, wenn anzunehmen ist, dass sie mit seuchenkranken Tieren in Berührung gekommen sind. Sie kann die sofortige Tötung dieser Hunde und Katzen anordnen, wenn anzunehmen ist, dass sie mit seuchenverdächtigen Tieren in Berührung gekommen sind.

[...]

(3) Absatz 1 gilt nicht für Hunde und Katzen, die nachweislich bei der Berührung unter wirksamem Impfschutz standen. Solche Hunde und Katzen sind sofort behördlich zu beobachten und unverzüglich erneut gegen Tollwut zu impfen. Die zuständige Behörde kann zulassen, dass von der Impfung abgesehen wird, wenn die Tiere bereits mehrmals in kurzen Abständen gegen Tollwut geimpft worden sind.

(4) Die zuständige Behörde kann im Einzelfall für nicht unter wirksamem Impfschutz stehende Hunde und Katzen Ausnahmen von Absatz 1 zulassen, sofern die Tiere sofort für mindestens drei Monate sicher eingesperrt werden und Belange der Seuchenbekämpfung nicht entgegenstehen. Die zuständige Behörde kann in der Entscheidung nach Satz 1 oder nachträglich die Dauer der dort genannten Maßnahme verkürzen, soweit Belange der Tierseuchenbekämpfung nicht entgegenstehen.« (§9 TollwV, Stand 2010)

 

Allein aus diesem Grund ist eine gültige Tollwutimpfung kaum verzichtbar. Darüber hinaus wird sie auch auf Ausstellungen, größeren Hundeveranstaltungen sowie von den meisten Hundeschulen gefordert, auch wenn Deutschland als tollwutfrei gilt. Im April 2008 erhielt Deutschland den Status durch die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE), nachdem der letzte Fall am 3. Februar 2006 diagnostiziert worden war. In den rund 50 Jahren zuvor waren es Rotfüchse, welche den Erreger – einen Stamm aus Ostpreußen – übertrugen, weshalb 25 Jahre lang Fuchsköder ausgelegt wurden, um die Erkrankung – welche auch oftmals Haustiere befiel – einzudemmen. In der ersten Hälfte des 20ten Jahrhunderts allerdings war es nicht der Fuchs, sondern der Hund, welcher die Krankheit typischer Weise trug. Nur durch strenge veterinärmedizinische Maßnahmen konnte die Seuche zu dieser Zeit eingedemmt werden, bis sie nach dem zweiten Weltkrieg mit dem Fuchs zurück kam. Es ist daher verständlich, dass Tierärzte trotz dem Gütesiegel »tollwutfrei« auf der Impfung bestehen, ist es doch noch kein Jahrhundert her, dass zahlreiche Hunde infiziert waren. Man sollte auch nicht vergessen, dass die Seuche jeweils nur durch entsprechende medizinische Maßnahmen eingedemmt werden konnte, weshalb eine vorbeugende Impfung durchaus sinnig erscheint. Und zu guter letzt ist auch zu bedenken, dass nicht alle Länder als tollwutfrei eingestuft werden, die Tollwut sich aber nicht an Ländergrenzen hält.

 

Die Krankheit

Tollwut – auch Wutkrankheit, Lyssa, Rabies oder Rage genannt – wird von Viren übertragen und ist eine sogenannte Zoonose, das heißt, sie kann neben Hunden auch andere Tiere sowie Menschen befallen und von einem zum anderen weitergegeben werden. Die Viren befinden sich hauptsächlich im Speichel, weshalb die Erkrankung vor allem über das Belecken von Wunden oder Schleimhäuten übertragen wird, selten ist auch eine Übertragung über die Ausscheidungen eines infizierten Tieres möglich. Die Viren wandern nach dem Eindringen in den Körper direkt in das zentrale Nervensystem und verteilen sich von dort aus im ganzen Körper. Der Verlauf der Erkrankung wird in drei Phasen unterteilt: Prodromal-Phase, Exzitationsphase und Paralysestadium, welche mehrere Tage dauern und sich überschneiden oder auch entfallen können. In der ersten Phase wird der Hund vor allem unruhig oder sonderbar zutraulich, durch auftretende Schluckbeschwerden vermehrt sich der Speichelfluss. In der Exzitationsphase zeigt der Hund die Aggression, welcher die Krankheit ihren Namen verdankt, und wird zunehmen unberechenbar. Im End- oder Paralysestadium treten Lähmungserscheinungen auf, welche unweigerlich zum Tode führen. 

 

Der Impfstoff

Der Tollwutimpfstoff (abgekürzt T) enthält einen inaktivierten Erreger, das heißt es handelt sich um einen Lebendimpfstoff. Somit findet eine aktive Immunisierung statt, im Rahmen welcher der Hund auf die Antigene im Impfserum reagieren und eigene, spezifische Antikörper bilden soll. Diese Reaktion dauert etwa drei Wochen, erst dann ist die Immunität gegeben. Der Impfstoff ist einzeln oder in Kombination mit Leptospirose erhältlich. Die Wirkungsdauer und damit auch die mögliche Eintragung im Impfpass ist unterschiedlich. Allerdings gibt der Hersteller Nobivac zum Beispiel eine Gültigkeit der Tollwut-Komponente von mindestens drei Jahren an, welche er auch in eigenen Studien belegt (siehe hierzu: http://www.hundepension.at/nobivac.pdf). Dies ist die momentan längste auf dem deutschen Markt zulässige Wirkdauer. Für eine ausreichende Immunisierung genügt laut Beipackzettel eine einmalige Impfung ab einem Alter von 12 Wochen, anschließend kann diese alle drei Jahre aufgefrischt werden. Die Impfkommission im Bundesverband praktizierender Tierärzte hingegen empfiehlt eine erneute Impfung nach einem Jahr und erst dann eine Impfung alle drei Jahre.

 

Quellen:

  • http ://www.bmelv-forschung.de/fileadmin/dam_uploads/ForschungsReport/fr-2008-1.pdf
  • http ://www.tiermedizinportal.de/tierkrankheiten/hundekrankheiten/tollwut-rabies-lyssa-beim-hund/163916
  • http ://www.pharmazie.com/graphic/A/36/8-20136.pdf http ://www.dgk-dvg.de/download/Leilinie_zur_Impfung_von_Kleintieren.pdf
  • http ://www.hundepension.at/nobivac.pdf