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Wie wachsen Hundehaare?

Lang, kurz, gewellt, glatt – Hun­de­fell kann so unter­schied­lich sein. Eines haben schwarze, braune, blonde und weiße Hunde aber gemein­sam: Ihr Fell wächst nur bis zu einem gewis­sen Punkt, oder besser gesagt einer gewis­sen Länge. Nur wenige Rassen bilden hier eine Aus­nahme: die sieben Ver­tre­ter der Was­ser­hunde und der Puli. Ihr Fell wächst stetig weiter und ver­filzt, wes­we­gen es regel­mä­ßig gescho­ren werden muss. Doch woher kommt das?

 

 

Haarwachstum Hund-Seite001Phase 1: Anagen

Der Antwort liegt in der Art des Haar­wachs­tum. Hun­de­haare wachsen nämlich zyklisch (manch­mal auch peri­odisch genannt), so wie zum Bei­spiel die Bein­be­haa­rung beim Men­schen. Dieser Zyklus beginnt mit der soge­nann­ten Wachs­tums­phase, fach­sprach­lich Anagen. Wie der Begriff ver­mu­ten lässt, wachsen in dieser Phase die Haare, bis sie ihre ange­strebte Länge erreicht haben. Eine wich­tige Vor­aus­set­zung für dieses Wachs­tum ist das Haar­fol­li­kel. Es bildet die Ein­stül­pung der Haut, in welcher die Haar­wur­zel ver­an­kert ist. Diese ist mit Drüsen ver­bun­den, welche Talg oder auch Duft­stoffe pro­du­zie­ren und damit für den Hund, sein Fell und seine Kom­mu­ni­ka­tion mit anderen Hund mittels des Geruchs von ent­schei­den­der Bedeu­tung sind. Im unteren Fol­li­kel­be­reich befin­det sich der Ansatz­punkt der Musculi arrec­to­res pilorum, der Haar­balg­mus­keln. Sie ermög­li­chen es dem Hund, seine Haare auf­zu­stel­len. Auch feine Ner­ven­fa­sern enden im Haar­fol­li­kel. Sie spielen eine große Rolle für den Tast­sinn und damit beson­ders im Bereich der Schnurr­haare (auch Tast­haare genannt) im Nasen­be­reich des Hundes. Für das Haar­wachs­tum ist vor allem ent­schei­dend, dass die Haar­wur­zeln hier die not­wen­di­gen Nähr­stoffe erhal­ten, um die Haare in voller Pracht aus­bil­den zu können.

Die Dauer der ana­ge­nen Phase hängt von vielen Fak­to­ren ab, bei­spiels­weise der Jah­res­zeit und der Wit­te­rung, der Ernäh­rung und dem Gesund­heits­zu­stan­des des Hundes. Beim Men­schen kann sie im Falle der Kopf­haare zwi­schen drei und sieben Jahren dauern. Die Zellen der Haar­wur­zel teilen sich in dieser Zeit stetig weiter und lassen das Haar auf diese Weise immer länger werden, wobei das Län­gen­ma­xi­mum eines Kopf­haa­res bei etwas über 80 Zen­ti­me­tern liegt. Beim Hund richtet sich die Zyklus­dauer ver­stärkt nach den Jah­res­zei­ten, was in zwei Fell­wech­seln pro Jahr resul­tiert, bei denen mehr oder minder das gesamte Fell aus­ge­tauscht wird. Je nach Wit­te­rung erfolgt der erste Fell­wech­sel etwa im Mai, der zweite etwa im Sep­tem­ber. In den wenigen Wochen des Fell­wech­sels wirft der Hund sein Fell aber nicht nur ab, sondern baut es auch voll­stän­dig wieder auf. Somit dauert die anagene Phase hierfür auch nur wenige Wochen.

 

Phase 2: Catagen

Auf die Wachs­tums­phase folgt die Über­gangs­phase, fach­sprach­lich Catagen. Während dieser stoppt die Zell­tei­lung, das Haar hört auf zu wachsen. Nach und nach schrumpft das Fol­li­kel, die Haar­wur­zel trennt sich von ihrer Nähr­stoff­ver­sor­gung und beginnt eben­falls zu schrump­fen. Das Haar berei­tet sich darauf vor, aus­zu­fal­len.

All­ge­mein lässt sich die Dauer der Über­gangs­phase nur schwer fest­set­zen und unter­schei­det sich von Haartyp zu Haartyp. Flaum­haare (bilden der Unter­wolle) bei­spiels­weise durch­lau­fen den gesam­ten Wachs­tums­zy­klus inner­halb eines Monats, sodass ihre cata­gene Phase nicht länger als zwei Wochen andau­ern kann. Bei Tast­haa­ren hin­ge­gen scheint diese Phase beson­ders lange anzu­dau­ern. Sie fallen erfah­rungs­ge­mäß weit weniger häufig als Deck­haar oder Unter­wolle aus, auch wenn sie ihre volle Länge schon lange erreicht haben.

 

Phase 3: Telogen

Die Ruhe­phase – fach­sprach­lich Telogen genannt – bildet den Abschluss des zykli­schen Haar­wachs­tums. Das Haar hat sich inzwi­schen voll­ends von seiner Wurzel getrennt und wird nur noch lose im Fol­li­kel gehal­ten, bis es schließ­lich aus­fällt. Diese Phase ist kaum noch in Zeit zu messen, da sie eigent­lich nicht mehr als das Aus­fal­len des Haares, even­tu­ell noch ein paar Tage Ver­bleib des bereits abge­stor­be­nen Haares im Fol­li­kel, beschreibt. Beson­ders stark fällt diese Phase beim Hund auf, wenn der Fell­wech­sel ansteht. Bei manchen Vier­bei­nern ent­steht in dieser Zeit der Ein­druck, sie würden ihre Haare kilo­weise abwer­fen.

Bereits während der Ruhe­phase kann die nächste Wachs­tums­phase begin­nen. Das ver­hin­dert, dass der Hund selbst im Fell­wech­sel, bei dem er in recht kurzer Zeit nahezu sein gesam­tes Fell aus­tauscht, kahle Stellen bekommt. Beim Men­schen gibt es kein ver­gleich­ba­res Phä­no­men.

 

Zum Schluss: Nice to Know

  1. Benach­barte Haare durch­lau­fen den Zyklus nie syn­chron sondern immer zeit­ver­setzt – so werden kahle Stellen ver­mie­den. Das gilt auch für die Zeit des Fell­wech­sels. Dieser ist übri­gens ein Über­bleib­sel der wild leben­den Vor­fah­ren des Hundes, deren Fell sich jah­res­zeit­lich bedingt an unter­schied­li­che Wit­te­rungs­ver­hält­nisse anpas­sen musste. Dieser Vorgang ist für den Körper sehr anst­re­gend und erhöht des­we­gen bei Lang­haar­hun­den mit dickem Fell den Ener­gie­be­darf während des Fell­wech­sels um bis zu 20 Prozent.
  2. Die Wachs­tums­dauer der Haare kann sich je nach Fell­länge des Hundes unter­schei­den. Logi­scher Weise ist die anagene Phase bei einem ein Zen­ti­me­ter langen Haar wesent­lich kürzer als bei einem zehn Zen­ti­me­ter langen. Das Alter des Hundes hin­ge­gen spielt keine Rolle. Bereits Welpen mit ihrem typi­schen Flaum durch­lau­fen noch vor Erhalt ihres »Erwach­se­nen­fells« den voll­stän­di­gen Zyklus mit Anagen, Catagen und Telogen.
  3. Deck­haar und Unter­wolle sind eng mit­ein­an­der ver­bun­den und teilen daher einen Wachs­tums­zy­klus. Das Deck­haar setzt sich aus den Gran­nen­haa­ren zusam­men. Diese nach hinten gerich­te­ten, dicke­ren Haare werden auch als Pri­mär­haar bezeich­net. Die Unter­wolle besteht aus den wei­che­ren und kür­ze­ren Flaum­haa­ren. Sie werden auch als Sekun­där­haar bezeich­net. 
    Die Gran­nen­haare ver­fü­gen – wie der Name schon sagt – über eine gran­nen­ar­tige Ver­di­ckung an ihrem Ende. Sie zeich­nen sich durch ihre Länge und Dicke aus und fühlen sich auf­grund ihrer Struk­tur härter an als Flaum­haare. Je nach Hund sind Farb­un­ter­schiede zwi­schen Deck- und Flaum­haar möglich. Außer­dem ist es vor­wie­gend das Deck­haar, welches der Hund beim Fell­stel­len auf­rich­tet. Da es über der Unter­wolle liegt, ist es im Beson­de­ren für den Schutz vor Schmutz und Nässe ver­ant­wort­lich.
    Ein Deck­haar steht aber nicht alleine. Aus dem­sel­ben Fol­li­kel wie das Gran­nen­haar sprie­ßen auch zahl­rei­che Flaum­haare. Sie umgeben ihr eines Gran­nen­haar als eine dicht bei­ein­an­der ste­hende Gruppe flau­schi­ger Ein­zel­haare. Ein solcher Büschel erin­nert ein wenig an eine große Blume mit dicke­rem Stängel, die mitten aus einem Gras­bü­schel heraus wächst. 
  4. Der Fell­wech­sel wird durch che­mi­sche Reak­tio­nen aus­ge­löst. Der Körper des Hundes reagiert auf die ver­stärkte bezie­hungs­weise abneh­mende Son­nen­ein­strah­lung in Früh­ling und Herbst. Er gibt den Fol­li­keln dar­auf­hin ein ent­spre­chen­des Signal, das Haar­kleid abzu­wer­fen (Früh­jahr) oder zu ver­dich­ten (Herbst). Durch das Leben im Haus und damit unter weniger Wit­te­rungs­ein­flüs­sen kann dieser Zyklus durch­ein­an­der geraten, sodass manche Hunde nicht mehr zwei Mal jähr­lich ihr ganzes Fell wech­seln, sondern ver­teilt über das ganze Jahr Stück für Stück – ähnlich dem Men­schen.

6 Kommentare

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  1. A.

    Wenn ich das richtig ver­stehe, ist es also nicht so, dass Hun­de­fell immer mehr und dichter wird, je öfter ein Hund gescho­ren wird? Statt­des­sen ist die Anzahl der Fol­li­kel und die Beschaf­fen­heit immer gleich und ledig­lich von den ver­schie­de­nen Stadien abhän­gig? Diese Dis­kus­sion hatte ich mit einer Nach­ba­rin, die ihren Tibet nicht scheren will, weil sich dann das Fell ver­än­dern würde. Ihre Züch­te­rin sagt, es würde dann mehr und dicter werden. Es gäbe auch Hunde, die bekämen mehr Locken als vorher oder weniger, wenn sie vorher welche hatte.
    Ich halte das alles ja für Ammen­mär­chen.
    Wie ist das denn beim Pudel? Würde mein Pudel­chen sich irgend­wie im Fell ver­än­dern durch Schur? Ich halte sie meist lang­haa­rig und schneide nur einmal im Sommer.

    1. Vitaler Hund

      Hallo,

      da gibt es wirk­lich viele ver­schie­dene Ansich­ten. Es kommt da nämlich weniger auf das an, was tat­säch­lich ist, als auf das, was ich sehe.
      Ein typi­sches Bei­spiel beim Men­schen: Rasur der Beine. Wer sonst sehr zarte, kaum sicht­bare Haare hat, kann die durch eine Rasur deut­li­cher sicht­bar und fester machen. Das hat mit dem Haar nicht viel zu tun, sondern damit, dass es durch die Rasur auf­ge­stellt und schräg abge­schnit­ten wird. Ähnlich ist es beim Kopf­haar: Aus Natur­wel­len können Locken werden, wenn man sich sein Haar kurz schnei­det. Denn zieht weniger Gewicht an den Haaren, hält sie auch weniger glatt. Auch spielen sons­tige Wirbel und Wellen eine große Rolle dabei, wie wir unser Haar sehen und wie es fällt.

      Es kann also durch­aus sein, dass das Haar eines gescho­re­nen Hundes locki­ger nach­kommt. Werden aus Ver­se­hen Fol­li­kel beschä­digt, kann das Haar auch ganz anders (bspw in anderer Farbe) nach­kom­men. Es kann auch sein, dass das Haar dichter wirkt, wenn es auf eine Länge geschnit­ten wurde. Mit dem, was von Natur aus gegeben ist, hat das aber nichts zu tun. Das Fell kann sich im Lauf eines Hun­de­le­bens ändern, durch Ernäh­rung, durch Wetter, durch Alter, durch Krank­heit, durch Ver­let­zun­gen etc.pp.. Nur weil man ein Haar abschnei­det, kommen aber nicht gleich 50 neue zur Beer­di­gung.

      Bei Pudel spe­zi­ell habe ich noch nie von Ver­än­de­run­gen gehört. Das ist natür­lich DIE Rasse, die gescho­ren wird. Da gibt es so viele Schnitte und Fri­su­ren, dass es ver­mut­lich auch da darauf ankommt, wie dann tat­säch­lich geschnit­ten wird.

      Liebe Grüße und ich hoffe, ich konnte wei­ter­hel­fen =).

  2. Anonymous

    Danke, sehr hilf­reich bei meinem Bio-Projekt in der Schule

    1. Vitaler Hund

      Immer wieder gerne und viel Glück für die Beno­tung der Arbeit!

  3. René

    Inter­es­sant wäre die Nennung der Dauer der Phasen Catagen und Telogen sowie Erwäh­nung der Tast­haare im Text.

    1. Vitaler Hund

      Vielen Dank für die Anre­gung. Ich habe diese genutzt, um den Text einmal gründ­lich zu über­ar­bei­ten. Ich hoffe, dass nun alle Fragen beant­wor­tet werden.

      Liebe Grüße
      Vitaler Hund

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